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Der Olivenölmann und das milde Basilicata

18. April 2007 von Manuel  
Abgelegt unter Genuss

artikel-134Es gibt zwei Fraktionen im Olivenöl-Lager. Die “Weichen” und die “Kräftigen”. Natürlich ist die Rede vom Geschmack – während der eine auf das milde Olivenöl schwört, kann es dem anderen gar nicht scharf genug sein. Ich dachte bislang immer, dass ich mich der zweiten Gruppe zugehörig fühle, die Olive muss deutlich herausschmecken! Aber, man lernt immer dazu…

Letzten Samstag habe ich auf dem St. Galler Markt den “Olivenölmann” entdeckt. Fast hätte meine Freundin und ich ihn übersehen, eingeklemmt zwischen zwei großen Ständen. Die umfangreiche Blumenauslage rechts, die Gemüsekisten links… und dazwischen der kleine Transporter mit seitlich geöffneter Ladeluke. Auf einem Tischchen ein paar Flaschen Öl, in der Ladeklappe raffiniert angeordnet eine ganze Batterie von kleinen und großen Öl-Flaschen. Eigentlich wollte ich mir ja nur schnell eine der ausliegenden Broschüren schnappen, und schnell weiter. Aber, da hatte mich Herr Bläsi schon abgefangen. Falscher Flyer – der war von einem Restaurant, ein Kunde vom Olivenölmann. Erwin Bläsi, so der Name des Ölverkäufers, gab mir dann die richtige Broschüre, und fing an, mir von seinem Angeli-Öl zu erzählen…
Der Olivenölmann verkauft nämlich nicht irgendein Öl, sein “Angeli” ist ein zertifizierte Bio-Öl aus Ripacandida im Nordwesten der Basilicata (Italien). Die Oliven wachsen auf 700m Höhe, auf vulkanischem Boden. Er schlägt ein Fotobuch auf, und zeigt uns Bilder von der Herstellung. Es geht einem das Herz auf: kleine Ölmühlen, alles noch auf Stein gepresst, Handarbeit, auch die Filtration. Klar, das hat seinen Preis. Der halbe Liter kostet umgerechnet rund 11 Euro, die 750ml gibts für 15,50 Euro. Aber Herr Bläsi weiss zu überzeugen. Schließlich ist er seit acht Jahren auf den Märkten in St. Gallen, Winterthur und Gossau, und er liebt sein Olivenöl.

Wir probieren das angepriesene Öl. Sehr mild, sehr klar im Geschmack, edel und eben “bio”. Aber, es ist mild! Egal, das Wetter ist schön, die Geschichte des Olivenölmannes ist gut, man ist durch die edle und schlichte Flasche heftig angetriggert… Wir kaufen darum eine Flasche und setzen unseren Bummel fort. Der Salat am Abend wurde dann gleich mit dem Öl angerichtet. (Rezept gibt´s hier) Sehr fein, sehr mild;-) – aber unglaublich lecker. Sicher kein Öl zum Braten, aber für Salate oder zum Backen von Kuchen und Kleingebäck (für die saftigere Konsistenz) sehr gut geeignet.

Der Olivenölmann Bläsi hat auch eine eigene Internetseite, angeli-olivenoel.ch. Hier findet der Surfer einen guten Zeitungsartikel, weitere Informationen über die Öle, Termine, Geschichten und Bilder. Und sogar einen eigenen Shop hat´s. Dort kann man neben Öl auch noch edle Pasta und Pesto kaufen. Alles also ganz modern. Aber, ich frage mich – reicht das? Der Markt für Olivenöl ist recht gesättigt, und gesättigte Fettsäuren sind ja bekanntlich schlechter als ungesättigte. Wie gesagt, die Seite ist nett gemacht und hat alle wichtigen Informationen, nur die Produktfotos gefallen mir nicht so – die sind mir nicht “fein” genug für die leckeren und edlen Produkte. Jedoch – eins fehlt dem Besucher. Der Olivenölmann selbst, denn dieser hat ja schließlich auch mich vom Kauf überzeugt!

Was ich damit sagen will – wenn es um das Thema “emotionaler Konsum” geht (wovon die Bio- und Genussbranche in großen Teilen profitiert), braucht es Menschen, Geschichten und natürlich ein gutes Produkt. Kann sowas eine Webseite leisten? Ja und Nein – die Saftblogger z.B. schaffen es durchaus, ihren Produkten Leben einzuhauchen, aber dafür spielen sie auch auf der multimedialen Klaviatur (Videos, viele Fotos, persönliche Berichte und so weiter). Das macht viel Arbeit und kostet Zeit. Zeit, die ein Olivenölmann nicht hat – da er diese auf den Wochenmärkten verbringt, um dort seine Öle zu verkaufen.

Ist darum eine Website, die den “emotionalen Konsum” im Fokus hat, nur rausgeschmissenes Geld? Nein – aber sie darf in meinen Augen nicht das einzige Standbein sein, um die Verkäufe anzukurbeln. Entweder geht man selbst “an die Front”, wie Herr Bläsi, und überzeugt die Kunden persönlich (Märkte sind somit sehr wohl Gespräche!) und nutzt die Homepage als Informationsplattform und Anlaufstelle für alle, die das Angeli-Öl kaufen möchten, aber nicht zum Ölstand kommen können, weil sie zu weit weg wohnen oder keine Zeit haben. Oder man bringt sich im Internet als Verkäufer eben persönlich ein, und zeigt den potenziellen Kunden, dass man sein Produkt liebt und 100% dahinter steht – und gibt ihm oder ihr so ein zusätzliches Kaufargument, die Glaubwürdigkeit. Das aber erfordert, wie schon gesagt viel Energie und auch technisches Grundverständnis fürs Internet und Multimedia (welches natürlich auch “eingekauft” werden kann). Wenn diese Faktoren zusammentreffen, dann hat “emotionaler Internetkonsum” eine gute Chance. Und so kann auch ein Fleischer seine World Wide Wurst übers Netz verkaufen und sich sogar eine online-”Fangemeinde” aufbauen. Keine guten Argumente für den klassischen Onlineshop, aber ein guter Ansporn, hin und wieder auf den heimischen Wochenmarkt zu gehen. Denn es gibt immer was zu entdecken :-)

Bildnachweis: 1. pixelretter.de

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Ein Kommentar zu “Der Olivenölmann und das milde Basilicata”

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  1. [...] Augen viel von seinem Potenzial. Das ist schade, denn das ganze Thema ist eigentlich ideal für emotionalen Konsum geeignet. So wird in der Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass die Seifen alle handgemacht sind [...]



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