Fleischberger
Am vergangenen Dienstag ging es in der Sendung “Menschen bei Maischberger” (unser TV-Tipp) um das leidige Thema Essen. Munter sprach man in der Diskutantentruppe über Bio, Fleisch, Veganismus, Gentechnik und vor allem immer wieder über Studien. Jeder wusste mindestens eine Studie, die seine oder ihre Position untermauerte. Relativ am Anfang der Sendung sagte die Moderatorin ganz zureckt: “Sie streiten hier, wie Leute sonst nur über Religion streiten“. Natürlich ging die Rechnung auf, möglichst konträre Positionen zu vertreten, und so stritt es sich vorzüglich. Essen ist für viele Menschen tatsächlich zu einer Art Religion geworden.
Der Spiegel schrieb am Tag nach der Sendung:
“Glaube, das ist eine der wenigen Lehren, die man aus dieser abwechselnd lautstark-chaotischen, über weite Strecken aber eher sedierenden Runde ziehen kann, Glaube versetzt nicht nur Berge, sondern auch jede Menge Geld. [...] Bio, Burger oder Genfood? Die Antwort weiß ganz allein der Wind, von dem in dieser Sendung so viel gemacht wurde, dass Maischberger am Ende sogar die Uhrzeit aus dem Auge verlor und gänzlich ohne eine Fazitrunde mit einem müden “Es wurde heute viel durcheinandergeredet” den finalen Rettungsschuss abfeuerte. ” (Zitat-Quelle)
Und die Erkenntnis für den (aufgeklärten) Zuschauer? Erstaunlich wenig, man stellt fest, das die Vertreter von Befürwortern von Gentechnik und dem konventionellen Anbau rhetorisch besser rüberkamen, als die Öko-Vertreter. Allerdings auch um einiges unhöflicher – aber das ist in unserer heutigen Gesprächskultur schon eingebürgert. Zurück blieb nach der Sendung der fade Beigeschmack, dass man in 90 Minuten jede Menge Fakten um die Ohren geschlagen bekommen hat, aber keinen Deut schlauer geworden ist. Für “Einsteiger” war die Diskussion teilweise zu schwierig ohne Vorwissen nachzuvollziehen, für “Experten” war sie nicht tief genug, bzw. viel breit aufgestellt. Eine Sendung, die sowohl Gentechnik, wie Fleischwirtschaft und Bioanbau zum Thema macht, kann wohl nur scheitern – Maischberger hat es leider bewiesen.
Das Video zur Sendung lässt sich auf der ARD-Homepage anschauen.

Hallo Manuel,
nach meiner Meinung war die Sendung völlig daneben. Es war ein wildes durcheinander und ohne “Ziel”. Frau Maischberger – die ich sehr schätze – war völlig überfordert. Sie machte auf mich den Eindruck, schlecht vorbereitet zu sein. Die Gäste hatten wenig Respekt gegenüber anderen Personen. So etwas gehört sich als Gast nicht und zeigt deren wahres Gesicht.
Das der Vertreter des Fleischerhandwerks Gentechnik auch noch gut findet, war für mich schon fast peinlich.
Ein Fazit zur Sendung: Es war schlicht verlorene Zeit! Schade.
Am besten fand ich den Metzger. Der war noch am diplomatischsten. Sarah Wiener ist leider nicht auszuhalten, wenn es tatsächlich um Fakten statt Bauchgefühl geht. Dem Gen-Professor merkte man an, dass es ihm fast peinlich war, die bezahlten Ansichten der Gentechnik-Industrie zu verbreiten. Und der Miersch hört sich vor allen Dingen wohl selber gerne reden, erzählte aber sonst immer nur seine Hälfte der Wahrheit.
Letztlich hat aber die Moderatorin keinen guten Job gemacht. Da hätte man auch einen spannenden Schlagabtausch daraus machen können.
@ Ludger: Dem “Metzger” kann man zugute halten, dass er kaum etwas gesagt hat – dadurch wirkte er sympathisch. Was aber völlig daneben (wenn er es wirklich glaubt, dann “nur” naiv) war: Der Ausspruch: Wir können durch eine höhere Fleischproduktion den Welthunger in den Griff bekommen. Wie? Erst schicken wir Fleisch in die armen Regionen, und dann gucken wir, dass die danach dann dort Rinder / Schweine / Geflügel halten. Ähmm… ja. Vorher haben “wir” zwar den einheimischen Markt komplett kaputt gemacht, so dass es kein Bauer mehr machen möchte, da er davon nicht leben kann (EU-Fleisch und EU-Gemüse wird z.B. in Afrika subventioniert verkauft – 1/3 günstiger als einheimische Produktion)…
@ Horst: Ja, enttäuscht war ich auch, vor allem von dem Rapunzel-Chef. Der gute Mann hat sich leider komplett vor die Wand reden lassen, auch wenn einige seiner Statements richtig sind, sie gingen einfach unter. Wie ich im Artikel oben schon schrieb – es waren zuviele Themen auf einmal angesprochen worden. Dazu ist es aber einfach zu komplex, und nicht in 1,5 Stunden abhandelbar.
das gefühl, dass der professor geschmiert ist, wurde ich auch nie los.
miersch hat tatsächlich ne prima ausdrucksweise, was aber über die oftmalige sinnleerheit seiner vorgebrachten sätze nicht hinwegtäuschen sollte. vielleicht ist jemandem aufgefallen, wie oft er bei verschiedenen fragen schnell auf ein anderes thema abgelenkt hat… konstruktive lösungsvorschläge für probleme kamen von ihm jedenfalls nicht.
und zum “spiegel”-bericht fällt mir da noch ein: der war ja mal sowas von blöde… der vegane bodybuilding-weltmeister alexander dargatz wird als ex-medizinstudent bezeichnet. de facto arbeitet er als arzt.
billig, herr ex-grundschüler und spiegel-autor.