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Mein Einkaufszettel

24. Januar 2008 von Manuel  
Abgelegt unter Genuss

Einkaufszettel sind, so lernen wir aus der Wikipedia, “ein einfaches Medium zum schriftlichen Speichern kurzer Informationen.” Weniger wissenschaftlich ausgedrückt sind Einkaufslisten eine prima Entlastung des Gehirns und ein Garant für sinnvoll gefüllte Speisekammern. einkaufszettelAllerdings muss man ihn vor dem Einkauf schreiben, den von selbst sich ausfüllende Einkaufszettel gibt es bislang nur in Gehirnen von Überwachungsfanatikern und Kontrollfreaks. Natürlich sind penibel geschriebene Gedächtnisstützen ein Alptraum für jeden “Shop-Designer”, denn für jene ist der Homo Consumicus ideal, der ohne Orientierung durch die Warenwelt stolpert und sich von allen Angeboten verführen lässt. Blöd jedoch, wenn dann am Ende des Einkaufstags zwar Edelsalami, feinster Käse und andere Beläge für die selbstgemachte Pizza im Wagen liegen, aber zu Hause das fehlende Mehl weitere kulinarische Aktivitäten unterbindet.

Einkaufsliste durchs Elternhaus geprägt
Das bisher stiefmütterlich behandelte Thema Einkaufshelfer wurde vor wenigen Tagen an mehreren Stellen der Blogosphäre gleichzeitig aufgegriffen und förderte ein paar interessante Erkenntnisse zu Tage. Die Kaltmamsell beispielsweise sieht in den kleinen Zetteln einen weiteren Beleg elterlicher Erziehung.

“Man [ist] möglicherweise in der Auswahl des Mediums sehr von Daheim geprägt. [...] Wie schon meine Mutter vor mir zerschneide ich alle solche Innenkartons, so sie nicht bedruckt sind, in sechs Streifen. Diese staple ich an einem festen Platz in der Küche (links neben den Geschirrtüchern); wenn mir ein einzukaufender Artikel einfällt, oder wenn mir Senf, Zucker, Mehl, Zwiebeln ausgehen, ziehe ich einen der Zettel aus dem Stapel [...] und schreibe es mit dem dort bereit liegenden Kuli auf.”

In den Kommentaren zum Artikel wird meine zwischenzeitliche Befürchtung, dass wir Einkaufszettel-Schreiber zur aussterbenden Art gehören, glücklicherweise zerstreut. Alte Briefumschläge, Strumpfhosenpackungen, Post-its, Terminkalender, ungestanzte Lochkarten, die Handinnenseite… die Liste der Schreibunterlagen scheint vielfältig und lang zu sein.

Einkaufslisten vom Aussterben bedroht
Aber nicht alle ins-Internet-Schreiber sind von Gedächtnisstützen für den Einkauf rundum begeistert. Don, der gelegentliche Food-Porn-Blogger, verfasst auch Einkaufslisten. Er betont aber, damit nicht in die Fußstapfen seines Elternhauses zu treten, denn die Frauen im Clan hatten immer im Kopf gespeichert, was im Haushalt fehlte. “Weil Männer jedoch als beandadsig (bärentatzig im Sinne von grobmotorisch ungeschickt) und mit einem Hian wia a Vasitzgruam (Hirn wie eine Jauchegrube*) gesegnet galten und deshalb lieber zuviel vom Falschen, als zu wenig vom Richtigen einkauften, wurde mir beigebracht, alles Nötige auf einen Zettel zu notieren“, schreibt er und steht somit zum Einkaufszettel. Jedoch ist Don damit nicht glücklich und behauptet sogar, dass eine Einkaufliste den Einkauf einschränkt.

“Ein Einkaufszettel kollidiert zwangsweise mit dem Angebot des Wochenmarktes – nur mal ein Beispiel: Ich schreibe “Spinat” auf, sehe dann aber, dass es auch bunten Mangold gibt, der ebenfalls für meine Tarte passt. Und ich habe gerade mehr Lust auf Mangold. Nimmt man aber den recht intensiv schmeckenden Mangold, sollte man auf Gorgonzola als Käse eher verzichten, wenn man Gäste hat, und lieber Frischkäse kaufen.”

Dritter im Bunde derer, die über das für und wider von Einkaufslisten sinieren, ist Fred Grimm. In seinem Blog “Fred kauft ein” stellt er die These auf, dass der Einkaufzettel mit dem Einzug der Markennamen auf die Einkaufszettel (Milka statt Schokolade) seine letzte Runde einläutete, und gesteht, er habe schon lange keinen Einkaufzettel mehr geschrieben. Dessen ungeachtet sollen laut Behauptung von Einkaufsassistent.de immerhin noch 58% der Deutschen zumindest gelegentlich eine Einkaufsliste mit sich führen. Allerdings sehe ich, wenn ich denn zwischen den Regalen mal den Kopf vom Zettel hebe, erstaunlich wenig Konsumenten mit den kleinen Zettelchen umhergehen. Vielleicht haben die alle ein Elefantengedächtnis?

Ohne Zettel gehts nicht
Ich bin der festen Überzeugung, dass man Einkaufszettel schreiben muss. Schon allein, um den allgegenwärtigen Verführungen im Super- oder Biomarkt zu widerstehen. Ausserdem weiss ich aus leidvoller Erfahrung, dass ich ohne Zettel garantiert etwas vergesse. Die wenigen Male, die ich “ohne” einkaufen war, endeten mit einem kleinen Kühlschrank-Fiasko. Ich versuchte mir zwar einzureden, dass ich ein fotografisches Gedächtnis habe und stellte mir den Kühlschrankinhalt vor mein geistiges Auge – aber vergebens. Am Ende fehlte beispielsweise die Milch, welche in meiner Imagination mit zwei Flaschen angeblich noch genügend vorhanden war. Vielleicht habe ich auch telepathische Kräfte – und mir während meiner virtuellen Kühlschranktour den Inhalt des Nachbarn angesehen :-) Darum halte ich an der (ebenfalls aus dem Elternhaus stammenden) Tradition des Schreibens von Einkauflisten fest und erfreue mich an den Vorzügen. Man hält sich nicht so lange im Supermarkt beim Einkaufen auf und hat am Ende die Gewissheit, nichts lebensnotwendiges vergessen zu haben. Natürlich landen hin und wieder “Spontan-Kauf-Artikel” im Korb – diese sind aber glücklicherweise dann ideale Ergänzungen für die Speisekammer und keine Verlegenheitswaren!

Bildnachweis
: (c) Foto von no_mis – aboutpixel.de

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