Test: Granatapfel
Im Wellness- oder Nahrungsergänzungssektor gibt es immer wieder Modeprodukte, sogenannte “Hypes” (näheres dazu hier). Darin unterscheidet sich dieser Bereich also nicht von anderen Konsumartikeln, Stichwort iPhone bei mobilen Telefonen. Lange Zeit war Aloe-Vera so ein Modeprodukt, danach kam Noni (wer es nicht kennt, sucht mal nach der Maulbeerbaum-Frucht). Der neue Mega-Trend dürfte Goji werden, aber das Rennen ist noch offen. Zu den Aspiranten zählt neben der Goji auch die Aroniabeere sowie Granatapfel. Bislang habe ich von einige Produkte mit Aronia probiert (Saft, Marmelade), auch die Goji-Beere gab es vor einiger Zeit im Bioladen zur Degustation (schmeckte mir jedoch nicht besonders). Aber an den Granatapfel habe ich mich noch nicht herangetraut…
Granatapfelsaft?
Warum ich bislang einen Bogen um Produkte aus Granatapfel machte, weiss ich nicht. Vielleicht weil ich erwartete, dass die Frucht komisch schmeckt? Aronia zum Beispiel ist recht herb (vergleichbar mit trockenem Rotwein), Noni-Saft ist in meinen Augen so lecker
wie flüssiges Erbrochenes. Während eines kürzlichen Einkaufbesuchs beim Rheintal-Nachbarn Österreich entdeckte ich aber im Supermarkt einen Granatapfelsaft. Dieses Getränk besteht aus Apfel (62%), Granatapfel (35%) und Aronia (3%). Bei der Verteilung der Inhaltsstoffe habe ich das Gefühl, einer etwas irreführenden Bezeichnung auf der Verpackung aufzusitzen, denn es ist wohl eher Granat-Apfelsaft als Granatapfelsaft
Haarspalterei? Gewiss, aber möglicherweise würde so ein Produkt in Deutschland schon von Mitbewerbern aus solchen Gründen angezählt werden. Gleiches gilt für die mit Heilaussagen nicht sparsame Microsite, auf deren Nennung ich darum an dieser Stelle verzichte. Granatapfel wird mittlerweile verstärkt als Antioxidantien-Quelle geschätzt. “Die antioxidative Wirkung des Granatapfels liegt etwa um das 3–4 fache über dem von Rotwein oder Grüntee“, heisst es in der Wikipedia.
Wie schmeckt Granatapfel?
Der Granat-Apfelsaft ist recht angenehm im Geschmack. Es süß, was der grundsätzliche Geschmack des Granatapfels ist. Dazu kommt die herbe Note des Apfels. Ganz im Hintergrund hält sich die Aronia – sie ist allerdings recht gut zu erkennen, wenn man am Saft riecht. Man kann den Saft pur trinken, ohne von der Fruchtnote erschlagen zu werden, ausserdem eignet sich der Granatapfelsaft hervorragend zum Mischen mit Mineralwasser um ein “Saft gespritzt” zu bekommen (österreichisch für Schorle).
Ich habe lange gebraucht, um den Nachgeschmack auf der Zunge einzuordnen – endlich kam ich darauf: es erinnert mich an den Geschmack der Haribo-Kirschen, die ich als kleiner Junge immer beim Kiosk für 10 Pfennig das Stück gekauft habe. Das ist seltsam, denn Kirsche ist im Saft gar nicht enthalten.
Wie auch immer – der Granatapfelsaft schmeckt mir gut und er wird sicher noch einige Male im Einkaufskorb landen. Eine willkommene Abwechslung zu meinen Lieblingschorlen mit Apfelsaft sowie Traubensaft.

AloeVera ist out? Ohhh… so ein mist. Ich finde trotzdem solche Pflanzen sollten in keinem Haushalt fehlen. Halt die Pflanze selber, nicht irgendwelche Pseudo-Produkte damit.
Hallo Horst,
ich habe mich vielleicht etwas mißverständlich ausgedrückt. Sicher ist AloeVera nicht “out” im Sinne, dass niemand mehr die Sachen damit kauft. Im Gegenteil – Aloe hat es, im Gegensatz zu beispielsweise Noni geschafft, in “normale” Produkte beigefügt zu werden, z.B. in der Kosmetik. Das zeugt davon, dass es sich dabei um eine wirkungsvolle Pflanze handelt. Mit “Hype” meinte ich etwas anderes. Es gibt in meinen Augen eine sogenannte NEM-Karawane (NEM=Nahrungsergänzungsmittel), die ständig weiterzieht. Zum einen besteht diese Karawane aus Herstellern von NEM, die immer wieder neue Produkte aus Pflanzen / Früchten auf den Markt werfen und diese als DAS GROSSE DING anpreisen. Das war halt zuerst AloeVera, dann kam Spirulina, jetzt Goji/Granatapfel.
Ein anderer Teil der Karawane besteht aus den Konsumenten, die immer auf der Suche nach neuen Produkten sind, und den Jungbrunnen-Versprechungen eben dieser Pflanzen/Früchte hinterher rennen. Und dann ist eben ein Produkt irgendwann “out”. Und dann ist da noch die Gruppe derer, die bei einem Produkt “hängenbleiben”, weil es ihnen wirklich hilft, bzw. schmeckt (zum Beispiel dieser Kommentator bei der Aronia).
Hallo Manuel,
ich habe vielleicht einfach den “8-)” vergessen.
Ich weiß genau was Du meinst. In der Kosmetikbranche gibt’s das schon länger. Was der Eine als Superneu hat, haben bald alle. Bei Aloe/Noni kamen dann die MLM-Verkäufer dazu.
Zumindest bei Aloe ist das einfach schade für die Pflanze. Wer einmal eine kleine Verbrennung mit einem frischem Blatt behandelt hat, der glaubt wieder an Wunder. Die Fertigprodukte können da nicht im geringsten mithalten.
Aber was Pflanzen angeht, habe ich ja eine Expertin im Haus. Ich hoffe mal auf abgekliert.de verrät sie in Zukunft auch mal was darüber. Ich arbeite zumindest daran.