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Kurzzeit-Bloggen – Warum der Rundfunkstaatsvertrag Blogs kaputt macht

13. Mai 2009 von Manuel  
Abgelegt unter Im Netz

Jetzt ist es amtlich. Mit dem 12. Rundfunk-Änderungsstaatsvertrag kommen massive Beschränkungen auf die Internetangebote der öffentlich-rechtlichen Sender zu. Denn der Vertrag sieht vor, dass viele Beiträge von den Internetseiten der Öffentlich-Rechtlichen künftig nach sieben Tagen gelöscht werden müssen, Sportübertragungen sogar schon nach 24 Stunden. Das hat auch Konsequenzen für Blogs, welche in den Rundfunkanstalten betrieben werden. Allerdings wird mit unterschiedlichem Maß gemessen – während zum Beispiel das Umweltblog des SWR seine Archive leerräumen muss, sieht man den Vetragsauswirkungen beim Tagesschaublog gelassen entgegen – das Zauberwort heißt “sendungsbezogen”.

Vor ein paar Tagen erschien im Blog der SWR-Fachredaktion Umwelt und Ernährung von Axel Weiß ein Eintrag, der die Leser auf eine rigorose Lösch-Aktion hinwies. “Demnächst gibt’s beim Umweltblog einen Kahlschlag. Ältere Beiträge werden gelöscht. Wir müssen den 12. Rundfunk-Änderungs-Staatsvertrag [...] umsetzen und das bedeutet: die öffentlich-rechtlichen Sender müssen ihre Internetangebote teils drastisch reduzieren. Wer sich also für ältere Einträge im Umweltblog interessiert, dem empfehle ich jetzt noch mal nach zu schauen – in absehbarer Zeit muss ich die Einträge vom Netz nehmen.” Auf die Frage, warum dies geschehen muss, antwortete der Redakteur, dass das Umweltblog eben die engen Kriterien nicht mehr einhält. Denn damit in Zukunft ein Internet-Angebot des Öfftl. Rechtl. Rundfunks noch “legal” ist, muss “entweder sendungsbegleitend oder zeitgeschichtlich wertvoll oder wichtig für die Bildung [sein], was im Netz steht”, erklärt Weiß. Da dies beim Umweltblog wohl nicht der Fall wäre, müssen ältere Beiträge aus dem Netz genommen werden. Das führt natürlich die Archiv-Funktion eines Blogs relativ ad Absurdum.

Der Hintergrund des 12. RÄStV ist der: Printmedien und kommerzielle Rundfunksender mit werbefinanzierten Online-Angeboten sehen sich durch die Konkurrenz der gebührenfinanzierten Angebote bedroht. Deshalb sollen die Online-Auftritte der öffentlich-rechtlichen Sender künftig vor allem “sendungsbezogen” sein. Das heißt unter anderem, dass “presseähnliche” Angebote oder Service-Portale nicht mehr erscheinen. Zu diesen presseähnlichen Angeboten zählen auch Weblogs wie das Umweltblog des SWR oder das Tagesschaublog vom NDR. Während nun ersteres Blog konkret die Anweisung erhalten hat, die alten Beiträge – welche eben Zusatzangebote und nicht sendungsbezogene Inhalte seien – zu löschen, scheint dies beim Tageschaublog nicht nötig zu sein. “Im Staatsvertrag ist keineswegs vorgeschrieben, dass Blogeinträge nach ein, zwei oder vier Wochen gelöscht werden müssen. Dies ist wird in einem so genannten Verweildauerkonzept geregelt, das Bestandteil des Telemedienkonzepts ist,” antwortete Jörg Sadrozinski, Redaktionsleiter von tagesschau.de, auf eine schriftliche Anfrage. Auf gut deutsch heißt das also – es kommt darauf an, was man so aushandelt. Und da scheint der NDR besser aufgestellt zu sein, als der SWR. Denn: “nach Genehmigung durch den Rundfunkrat des NDR ist im Telemedienkonzept von tagesschau.de beispielsweise vorgesehen, dass bestimmte Inhalte permanent dort verbleiben können (z.B. in Archiven)“. Und dazu würde eben auch das Tagesschaublog zählen, da die Einträge hauptsächlich “sendungsbezogen” sind.

Was heißt das nun für Blogger und Internet-Nutzer? Für erstere Gruppe wird eine Verlinkung von Beiträgen in Blogs, die auf öffentlich-rechtlichen Webservern betrieben werden, zu einem Glücksspiel. Der jeweilige Beitrag kann, muss aber nicht langfristig online sein. Wer sicher gehen will, fragt lieber nach, bevor er auf etwas verlinkt, bzw. einen Bezug nimmt, was vielleicht in 2-3 Wochen wieder im digitalen Orkus verschwunden ist. Für die Internetnutzer allgemein geht ein Stück Qualität im Netz verloren, denn gerade die Stärke der Sender, nicht nur Programmhinweise sondern auch Hintergrundinfos anzubieten, geht verloren. Somit muss der Nutzer auf werbefinanzierte Angebote der Presse zurückgreifen – so diese überhaupt vorhanden sind! Unbequeme deutsche Bürger könnten sich da ruhig einmal fragen, wozu dann überhaupt Online-GEZ-Gebühren verlangt werden. Diese Problematik sieht auch Axel Weiß vom Umweltblog: “Als Gebührenzahler frage ich mich privat natürlich schon, warum mit meinen Gebühren im Zukunftsmedium Internet so umgegangen wird. Ich werde das Gefühl nicht los, da soll ein unliebsamer – weil nicht-kommerzieller – Konkurrent beseitigt werden.

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Kommentare

3 Kommentare zu “Kurzzeit-Bloggen – Warum der Rundfunkstaatsvertrag Blogs kaputt macht”
  1. Steffen sagt:

    Mir wird gerade schlecht. ZB. in Sachsen liegt es bestimmt nicht an irgendwelchen Blogbeiträgen, dass die privaten Radiosender nur Müll spielen. Naja und Fernsehen guck ich nicht aber Blogs lese ich schon. Das ist verrückt.

  2. Hallo,

    das jetzt vielleicht auch interessante Hintergrundinformationen und Blogs verschwinden werden ist für manchen tragisch.

    Aber wenn ich sehe das von den immer wieder steigenden GEZ Gebühren Seiten wie z.B. http://www.liebesalarm.de/ davon bezahl werden, muss man sich nicht wundern, wenn jetzt radikal aufgeräumt wird.

    Sieht man was für Portale um die Senderseiten entstanden sind, dann kann ich das ganze voll unterstützen.

    Auch aus einer anderen Sicht kann man das Vorgehen betrachten. Die ÖR wollten ja GEZ Gebühren auf Internetfähige Rechner. Mit der Begründung man kann das Zeug was sie senden auch im Internet verfolgen. Bis heute kann man nicht im Internet TV gucken, aber man könnte rein technisch gesehen gucken. So zumind. die Begründung.

    Die Sender haben freiwillig festgelegt wie hoch die Summe ist, die sie für das Internet verbraten wollen. An diesen Grenzen haben sie schon kurz danach gekrazt. Mehr gibt es nicht und andere Wege wollten sie nicht freiwillig gehen. Das jetzt vom Gesetzgeber dieser Weg genommen wird und Zusätzliche Angebote eingestampft werden müssen ist korrekt.

    Wer flirten will soll das im realen Leben machen, wer es unbedingt im Netz machen will soll das auf anderen Portalen machen. Genau das gleiche gilt natürlich für alle weiteren Angebote und Portale, die rein gar nichts mit den Sendern zutun haben, was nicht Ihr Auftrag ist und was sie besser anderen zu überlassen haben.

    Teilweise sind manche Sender auch selbst schuld. Anstatt den etwas grösseren Anstalten mal klar zusagen, sie haben auch Einschnitte bei sich zu machen, habe sie lieber mit unerträglichen Gejammer bei den Zuschauern und Hörern versucht Stimmung gegen den neuen Vertrag zu machen.

    Auf die GEZ Zahler wurde schon nicht bei dem Thema mit der GEZ für internetfähige Geräte gehört, oder besser gesagt, man wollte da nicht auf die GEZ Zahler hören wieso sollten sich jetzt genau die für die Sender einsetzen.

    Gruss
    Rüdiger Pretzlaff

  3. Manuel sagt:

    @ Rüdiger:
    Vielen Dank für Deinen langen Kommentar. Ich weiss, was Du meinst – und Seiten wie die von Dir genannte ist sicher eine Konkurrenz für private Angebote, und das ist eine Marktverzerrung.

    Darum geht es mir auch nicht.

    “Ihr Auftrag ist und was sie besser anderen zu überlassen haben.”
    Was ist denn der Auftrag von Öfftl-Rechtlichen Anstalten? Informieren, bilden, unterhalten.
    Das Problem ist doch – es gibt jede Menge Angebote, für die es keine “privaten” Alternativen gibt. Und dann hab ich, wie Du schon geschrieben hast, ein Problem damit, wenn ich GEZ für Online bezahle (bezahlt habe, als ich noch in Deutschland war), aber noch nicht einmal Fernsehen gucken kann auf dem Rechner. Und die Zusatzangebote, für die ich eben gerne bezahlt habe, die werden mir weggenommen. DAS finde ich schade.

    “Das jetzt vom Gesetzgeber dieser Weg genommen wird und Zusätzliche Angebote eingestampft werden müssen ist korrekt.” Jaja, bei Sachen wie Flirtportalen absolut korrekt. Aber gerade Hintergrundinformationen oder erweiterte Informationen finde ich nicht bei den privaten Anstalten. Vergleich doch mal den Auftritt von RTL.de und ARD.de Und dann versuch Dich mal zu irgendend einem Thema (bsp. Umweltplakette) auf diesen Seiten zu informieren. Wo wird man besser bedient, hmm?

    Mein Hauptkritikpunkt war und ist, dass Blogs, die “tief in Themen drin” sind, dicht gemacht werden müssen – weil sie angeblich eine Konkurrenz sind und Wettbewerbsverzerrung betreiben. Da frage ich mich, zu wem stehen das Umweltblog oder das Tagesschaublog denn in Konkurrenz?!?

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