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Nachhaltiges Einkaufsfernsehen

20. Dezember 2007 von Manuel  
Abgelegt unter Im Netz

Im Fernsehen, diesem in die Jahre gekommenen Medium, erfreuen sich Einkaufssender seit Jahren einer wachsenden Beliebtheit. Und was da nicht alles über die Tresen geht! Chef”koch” Toni preist sein unzerstörbares Messerset, der gute “Preis-ist-Heiss”-Walther freut sich jeden Morgen erneut über die hochwertige Aluminiumkamera mit dem 8fach Digitalzoom, eine gewisse Bärbel zeigt gerne ihre Edelsteinschätze und Zimmerbrunnen für die Hausfrau, die schon alles hat… Und die Paketzusteller ächzen republikweit unter dem ganzen professionell verpackten Plunder, der werktäglich in die Fernsehstuben der Nation gekarrt wird. Als ob das noch nicht reichen würde – die kurzweiligen Warenpräsentationen schicken sich an, auch auf dem Computerbildschirm Einzug zu halten, genauer gesagt im weltweiten Web.

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Im Internet gibt es seit einigen Wochen zwei konkurrierende Portale, die um den konsumfreudigen, aber auch umweltbewussten Websurfer buhlen. Eins der Portale heisst Efeu, aber natürlich in einglischer Sprache. Bei Ivyworld kann man nicht nur jede Menge Artikel zum nachhaltigen Konsum lesen, es gibt auch das Efeu-TV. Das Konzept des Internetvideo-Sendung: die leitenden Redakteuere Alexander Böker und Michalis Pantelouris stellen täglich Produkte vor, die irgendwie etwas mit “gesund”, “bio” oder einfach nur “trendy” verbindet.

Wenn man sich die Sendungen anschaut, kommt man zu dem Eindruck, dass die Macher sich ein Beispiel an den oben genannten Sendungen genommen haben. Dabei würzen sie den Auftritt des Gespanns “Alex und Michalis” noch mit mehreren Prisen SWITCH und Samstag-Nacht-Anleihen – und fertig ist das lustige Produktfernsehen. Was wir dabei alles so vorgestellt bekommen! Nachhaltige Spanking-Paddle (Kinder, fragt einfach eure Eltern danach…), Badezusätze aus Algen (von der irischen Großfamilie in Handarbeit gepflückt) ein Wasserstoffauto in Miniatur und aus China, ein zusammengeklöppelter Stoffhase aus wiederverwendeten Stoffresten… Wahnsinn! “Ist alles so schön bunt hier, kann mich gar nicht entscheiden”, sang Nina Hagen schon vor Jahren. Und auch der Fernseh, pardon Internetzuschauer ist irritiert. Sind die Auftritte von Michalis und Alex redaktionelle Beiträge? Oder handelt es sich hier um Produktwerbung? Aber – wenn zweiteres der Fall ist, wo ist die hübsche Bauchbinde mit den Telefonummern für Deutschland, Österreich und die Schweiz? Und wie lange ist denn die Warteschleife jetzt schon wieder? Fragen über Fragen!

Das Spiel mit dem Opener (“Alex!” “Michaelis… ich hab Dir was mitgebracht”) und versteckten Seitenhiebe verstehen die Einkaufsberater von IVY richtig gut. Auch die öfter eingesetzten Gags sind nicht schlecht, aber verlangen auch keine übermäßige Hirntätigkeit. Vor der grünen Grastapete wird der tägliche Gabentisch zelebriert und wenn dann beide Redakteure fröhlich drauflos plappern wird einem das Hirn auch schnell schön leicht. Ist doch alles gar nicht so schlimm, Klima, Konsum, Karma… wird schon alles ökorrekt werden. Was die Videofilmchen mit dem Anspruch “für eine bessere Welt” des Ivyportals zu tun haben? Nichts. Und alles. Denn eigentlich dreht sich doch sowohl bei Ivy wie auch bei Utopia das meiste um die ewige Frage des saturierten Mitteleuropäers: “Was kaufe ich heute?” Bloß, und das ist neu, angereichert mit dem Nebensatz: “Und wie mache ich dabei den Planeten nicht ganz so kaputt wie sonst?”

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Aber, nicht dass Sie jetzt einen falschen Eindruck bekommen haben! Ich mag die tägliche 4 Minuten-Dosis Ivy-TV, genauso wie ich gerne Einkaufsfernsehen anschaue. Ja wirklich, ich schaue Teleshopping um zu entspannen. Ich habs auch schon mit Call-TV versucht, aber da stört mich das Strobo-Licht und die heulenden Sirenen. Wenn ich die Produktverkäufer mit ihren sen-sa-tio-nellen Produkten auftreten sehe, wird das Hirn leer, ich komme zur Ruhe. Konsum ist Ersatzreligion, also nutze ich die Priesterpreisgesänge und suche mein Krafttier mit dem Einkaufsmantra. Und wenn nun Ivy-TV nur die verschleiernde Antwort auf Googles Verbot von Bezahl-Links ist? Dann kann ich nur sagen – selten hat mich Textlink-Werbung derart unterhalten. Denn mit Ivy-TV schafft das Portal es, dass ich wirklich fast täglich dort vorbeisurfe, um die neue Folge anzusehen. Mein Tipp: unbedingt auch als mobilen Content anbieten, falls mal kein Computer in der Nähe ist :-) Dass ich auch täglich bei der Konkurrenz Utopia.de vorbeischaue, liegt nur am Adventskalender – aber der 24. ist ja bald vorbei. Also, Alex und Michalis – macht weiter, solange die Hersteller euch ihre ökorrekten Produkte schicken. Oder bis der Presserat die erste Rüge wegen Vermischung von redaktionellem Text und Anzeigenwerbung ausspricht…

Bildnachweis: (c) screenshots von www.ivyworld.de

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Kommentare

3 Kommentare zu “Nachhaltiges Einkaufsfernsehen”
  1. Michalis sagt:

    Danke für die liebevollen Hiebe. Aber nur damit hier nicht der Eindruck entsteht: Natürlich handelt es sich dabei nicht um Werbung, es gibt keinen Hersteller, der irgendetwas für die Beiträge bezahlt oder mit dem wir sonstwie verbandelt sind, sondern es sind ganz einfache (und oft zugegeben sehr einfache ;-) ) redaktionelle Besprechungen. Die hoffentlich Spaß machen. Liebe Grüße, Michalis

  2. Manuel sagt:

    Wie sagt Alex in dem “Hut-Beitrag” doch so schön: “So, jetzt nimm den mal ab, wir müssen den zurückgeben” ;-)

    Ich sehe Ivy-TV auch eher als redaktionelles Ding an. Vielleicht solltet ihr das aber noch ein wenig deutlicher herausstellen. Gerade da in einigen Beiträge (z.B. Agaven-Saft) die Nähe zum Einkaufsfernsehen schon sehr greifbar ist. Außer dass der Preis erst im Kommentar von der Herstellerfirma nachgereicht wird.

    Weihnachtliche Grüße,
    Manuel

  3. Öko, bio, fair en vogue! Wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht, bei all der spröden Nachhaltigkeitskommunikation. Wichtig ist, dass auf Worte und Absichten Taten folgen – und korrekte Kaufentscheidungen. Das will das Verbraucherportal EcoShopper fördern – mit rund 80.000 alternativen Produkten von über 200 Anbietern. Der Anspruch ist, für VerbraucherInnen einfach nützlich zu sein. Einfach mal reinschauen und ausprobieren.

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