Vital-Genuss.de : Das Blog rund um den grünen Lifestyle.

30. May 2016 | Nachrichten Feed

Bloggerin gegen Tchibo und Spreadshirt

20. Juni 2008 von Manuel  
Abgelegt unter LOHAS

Die Bloggerin Kirsten Brodde hat mit Ihrem Weblog Grüne Mode jetzt für Furore gesorgt. Wie das? Sie bestellte bei Tchibo zwei T-Shirts mit ungewöhnlichen Schriftzug: “Gefertigt für Hungerlöhne” und “dieses T-Shirt hat ein Kind genäht” standen darauf. Der Kaffeeröster produzierte über den Textildrucker Spreadshirt die Shirts – will sie jetzt aber zurück. Die ganze Aktion hat Frau Brodde in Ihrem Blog dokumentiert. Der Höhepunkt jedoch war ein 37minütiges “Sit In” von Kirsten Brodde am Donnerstag vor der Hamburger Tchibo-Filiale am Rathausmarkt. Dort stand sie mit einem selbstgemalten Schild in der Hand (“fragen Sie mich nach meinem T-Shirt“) und dem gedruckten Shirt mit o.g. Spruch. Eine gute halbe Stunde konnte sie mit Passanten über Hungerlöhne, Kinderarbeit und die Verantwortung von großen Konzernen wie Tchibo reden. Dann wurde sie von der Polizei des Platzes verwiesen. Mit dieser Aktion schaffte die Bloggerin es auf die Startseite von Spiegel Online (Artikel). Eine klasse Aktion, zu der ich der Green-Fashion-Aktivistin gerne gratuliere. Jedoch bleibe bei der Sache ein paar Fragen offen, die ich gerne diskutieren möchte.

Stammen Spread-Shirts aus Kinderarbeit?
Als Kollateralschaden kann man den Image-Verlust von Spreadshirt, die ja sozusagen als trojanisches Pferd für den Tchibo-Protest verwendet werden, bezeichnen. Durch die Blogeinträge aber auch den Spiegel-Artikel kann man als Leser zu dem Schluss kommen, dass Spreadhirt seine Klamotten von Kindern zusammennähen lässt. Kommentare in Kirsten Broddes Blog belegen dies.
Aber stimmt das auch? Aus meiner aktiven Zeit bei Spreadshirt (2002 bis 2004), in der ich u.a. mit der Produkt-Auswahl beschäftigt war, kann ich bestätigen, dass darauf geachtet wurde, keine “no-Name-China-Scheisse” zu verwenden. Ich erinnere mich gut an E-Mails, in denen uns Containerware angeboten wurde, wo dann ein T-Shirt etwa 50Cent kosten sollte. So etwas wurde damals (und sicher auch heute) nicht verwendet. Stattdessen waren die Hauptlieferanten Firmen wie Continental Clothing, Fruit of the Loom (FOL), Hanes und JT´s. Wichtig war uns natürlich die Verarbeitung, die Qualität und an erster Stelle die “Bedruckbarkeit”. Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern und Bio-Produkte waren jedoch noch kein Thema. Umso erfreuter war ich, als ich vor einem guten Jahr erfuhr, dass Spreadshirt auch Bio-Baumwolle anbietet. Wie Spreadshirt etwas versteckt in der Diskussion auf anderen Blogs mitteilt, gibt es mittlerweile einen Code-of-Conduct, der die Lieferanten auf faire Produktionsbedingungen verpflichtet.

Welche Shirts kaufte Frau Brodde?
Die beiden Produkte, die mit den Tchibo-Bashing bedruckt wurden, sind sogenannte “No Label T-shirts”, die Firmen von denen sie hergestellt werden, nähen keine Logos in die Kleidung ein, damit sie eben von Textil-Veredlern wie Spreadshirt bedruckt werden können. Woher nun die geheimnisvollen T-Shirts stammen, ist kein großes Geheimnis, und auch auf der Webseite von Spreadshirt einsehbar, wenn man sich die Titel der Produkte genauer anschaut. Das braucht man aber noch nicht einmal, denn dankenswerter Weise zeigt Frau Brodde in einem Screenshot die Rechnung von Spreadshirt, auf der meine Vermutung, die Kleidung stammt von Continental Clothing, bestätigt wird. Hier sieht man, das Artikel eins das “Continental Classic Girlie” ist, Artikel zwei das “Girlie – Racerback Vest” (ebenfalls von CC). Hätte die Öko-Aktivistin nun wirklich wissen wollen, ob ihre Behauptungen, diese Shirts würden von “Kindern genäht”, bzw. “für Hungerlöhne gefertigt”, stimmen – dann war Spreadshirt nicht der richtige Ansprechpartner. Denn in dem Fall hätte sie sich direkt an Continental Clothing wenden müssen, bzw. die Pressesprecherin von Spreadshirt Frau Sievert hätte ihr den Lieferanten CC nennen können. Stattdessen sprach sie von “vielen hundert Zulieferern aus aller Welt”, was ja nur indirekt stimmt – wenn sie nämlich die Produzenten meint, die die Ware an die rund 20 direkten Zuliefer für Spreadshirt (u.a. Nike, Puma, Adidas, Trigema und eben die o.g. “no Label” Anbieter) verteilen.

Bauernopfer?
Wenn man sich die ganze Aktion ansieht, kann man schon davon sprechen, dass hier der Shirt-Drucker “Spreadshirt” als Bauernopfer im Scharmützel “Brodde gegen Tchibo” eingesetzt wurde. Wie die grüne Bloggerin selbst schreibt, waren ihre Aufdrucke: “[...] pure Spekulation – nur gedeckt von den Berichten der Kampagne für Saubere Kleidung. Sicher aber Anlass für eine Debatte über die armseligen Geschäftspraktiken der Textilfirmen.” (Quelle). Über die großen Wellen, welche die Blog-Aktion schlug, wunderte sich die Aktivistin selbst am meisten. Im Spiegel-Artikel sagt sie: “Ich hätte nicht gedacht, dass eine einsame Bloggerin so einfach einen Handelsriesen aus der Reserve locken kann.” Sie hat aber in meinen Augen noch mehr mit ihrem Aktionismus erreicht. Sie hat dafür gesorgt, dass mehrere Schwachpunkte sichtbar wurden:

a) Spreadshirt sollte seiner Verantwortung als großer Abnehmer von Textilprodukten gerecht werden und konsequenter auf die Einhaltung von sauberen Produktionsbedingungen bei seinen Lieferanten drängen. Ausserdem ist die Informationspolitik nach außen immer noch miserabel. Während die Blogger fleissig berichten (hier, hier und hier), gibt es immer noch keine Stellungnahme von Spreadshirt zum “Tchibo-Gate”. Konsequente “Web-2.0″-Kommunikation sieht anders aus.

b) Tchibo hat weiterhin das Image eines Kaffeerösters, welcher Kleidung unter schlechten Bedingungen nähen lässt, wie dies in den Medien behauptet wird. Es hilft somit nichts, wenn man als Antwort auf die erstarkende Neo-Ökos (LOHAS) in der grünen Liga mit einem fairtrade Kaffee mitspielen will (ja Frau Brodde, den Kaffee gibt es wirklich!). Es muss Transparenz her und der Wille, an den Produktionsbedingungen etwas zu ändern. Natürlich werden dadurch die T-Shirts und Co. teurer, aber wenn die Behauptung von der Öko-Aktivistin stimmen: “nähmen [die Konsumenten] auch höhere Preise in Kauf, wenn dadurch bestimmte Sozialstandards garantiert würden“.

c) Blogs können etwas “bewegen” – aber sie sind leider immer noch stark auf die etablierten Medien (siehe Spiegel-Online-Artikel) angewiesen. Das ist schade, wird sich aber vielleicht irgendwann einmal ändern. Und noch ein Stichwort zur Kommunikation: Das mit dem “bloggen”, worauf Frau Brodde auch gerne mal hinweist in ihrem Weblog, scheint sie jedoch selbst noch nicht so ganz ernst zu nehmen. Dazu gehört nämlich auch der Einstieg in eine Diskussion, die man selbst durch seine Artikel verursacht. Davon ist leider (noch) nicht viel zu erkennen – wie man am aktuellen Posting ” “sieht, wo mittlerweile über 60 Kommentare mit teilweise ganz konkreten Fragen darauf warten, auch einmal beantwortet zu werden. Vielleicht wird das ja noch was, mit der interaktiven Kommunikation…

Ähnliche Beiträge zu diesem Thema:

  • Bio-Kaugummi Chicza
    Es gibt seit kurzem etwas neues auf dem Kaugummi-Markt. Der Neuling namens Chicza ist das erste 100% zertifizierte biologische und biologisch abbaubare Kaugummi...
  • Recycle or die?!
    Es ist schon erschreckend, wie viel giftige Abfälle in unseren Konsumgütern stecken. Und wie verantwortungslos die Entsorgung betrieben wird. Ein cooler Film üb...

Kommentare

15 Kommentare zu “Bloggerin gegen Tchibo und Spreadshirt”
  1. Sam sagt:

    Schade für Spreadshirt, diese Aktion. Aber wenn es hilft, noch besser zu werden, dann ist auch gut. Wenn sie Billigstshirts verwenden würden, hätten die wohl nicht so horrende Preise bei Spreadshirt.

    Die Preise bei Spreadshirt sind sehr hoch, ich möchte aber viel lieber diese hohen Preise als Ausbeutung von billigen Arbeitskräften.

  2. Manuel sagt:

    Die Preise von Spreadshirt sind natürlich nicht vergleichbar mit KIK o.ä. Allerdings hängt es auch immer davon ab, wie der Shopbetreiber die Preise eingestellt hat – da sich über den Endpreis ja auch die Provision einberechnet wird. Beispiel: Ein Shirt kostet 12,90 Grundpreis mit einem Druck. Will ich als Shopbetreiber 2,00 Euro verdienen, kostet das Shirt bei mir im Shop 14,90 Euro.

  3. Sam sagt:

    Ich betreibe einige Spreadshops (…) und:

    1. kostet ein Shirt mit Druck alleine schon EUR 15 (oder mehr)

    2. kommt man mit EUR 2 Provision nicht weit – Spreadshirt empfiehlt selbst mind EUR5 Provision

    Das heisst, man ist praktisch immer über EUR 20, was recht viel ist.

  4. ralphs sagt:

    Ich habe in den Kommentaren auch vergeblich nach Antworten von Frau Brodde gesucht. Da steht dieses Schweigen etwas im Widerspruch zu den großen Headlines mit dem Wort “Bloggerin” darin. Hätte Spiegel online den Artikel gebracht, wenn eine ganz normale Homepagebetrieberin diese Aktion gebracht hätte? ;-)

  5. Manuel sagt:

    @ Ralph:
    Wohl nicht. Vor allem auch nicht dann, wenn die Homepagebetreiberin nicht auch noch beim Greenpeace-Magazin arbeiten würde ;-)

    Wie gesagt, ich finde es toll, dass Greenfashion einmal “in den Mainstream” reinragt (ausserhalb der Vorzeige-Armed-Angels), aber die Hauruck-Aktion ist etwas zu “dreckig” gewesen, in meinen Augen. Und das von SPON entworfene Setting “kleine Bloggerin gegen großen Konzern” (was sie ja am Ende des Artikels noch kolportiert) ist halt arg verkürzt…

    Bin aber gespannt, ob und wie sich das Blog von ihr nun weiter entwickelt. Gute Ratschläge vom “Überblogger” Robert Basic hat sie ja schon bekommen :-)

  6. Autsch…
    einmal Rampensau sein und für Wirbel sorgen. So ein Anfängerfehler ist dann aber schon schmerzhaft, vor allem wenn sie an anderer Stelle “professionell” schreibt, sollte ihr Recherchearbeit nicht unbekannt sein. Leider dienen manche Protestaktionen einzig sich selbst. Krawall für Krawall…was nicht gerade dafür sorgt, dass berechtigte Konsumkritik ernster genommen wird.

    Gerade CC ist für ein textiles Unternehmen doch schon recht weit was Bewusstsein und Ethik angeht, sofern man ihren Aussagen im eigenen Onlinekatalog glauben kann (Seite 3): http://www.cheap-tricks.de/ccc08.pdf

    Nicht alles ist böse und es werden sogar noch Kleider außerhalb von Sweatshops bestrickt…

    Naja schönen Gruß aus rainy Hamburg und nein ich hab mit CC nix zu tun, bestelle selbst über die…

  7. ami sagt:

    hallo,

    vielen dank für deinen beitrag, ich hatte schon drauf spekuliert dass die t-shirts von AA oder eben continental waren, was natürlich nochmal ein interessanter “twist” ist.

    und warum es kein statement von uns gab hat wie bei robert schon geäußert 2 gründe:
    1. war der bloghauptbeauftragte (huch, das bin ja ich) gestern leider offline
    2. müssen wir uns, da ein kunde von uns betroffen ist (und wir, wie du richtig sagst eher “nebenschauplatz sind) erst mit dem kunden abstimmen bevor wir vorpreschen und womöglich irgendwas verschlimmbessern. das dauert erwartungsgemäß etwas länger.
    wir werden die sache allerdings auf jeden fall nochmal aufgreifen und uns auch dazu sobald wie möglich äußern.

  8. Horst sagt:

    Jedenfalls Dir besten Dank für Deine Recherchebemühungen. Ich habe die ganze Sache nun schon in verschiedenen Blogs gesehen und mir immer auf “Musst Du noch lesen” gesetzt. Jetzt bin ich durch Deinen Artikel wenigstens schon vorbereitet. 8-)

    Als ich vor einigen Jahren Werbe-Shirts für eforia machen lies, war es tatsächlich nicht möglich Öko-Ware zu bekommen. Dank solcher Aktionen wird das in Zukunft kein Problem mehr sein. Wobei vermutlich Spreadshirt mit der Aufnahme der Bio-Line da schon mehr dafür getan hat.

  9. Egal was nun an der Sache fakt ist: Etwas gutes hat die Geschichte doch. Man muss sich selber fragen welche Kleidung man trägt und welche Produktionsbedingungen man für richtig erachtet. Zudem helfen solche Aktionen und vor allem die Diskussion darüber, ein Bewusstsein in den Unternehmen zu schärfen, dass gewisse ökologische und soziale Standards zu achten sind. Somit ist eine große Wirkung der Diskussion über dieses Thema wichtig.

    Zudem bringt es auch die Frage auf die Tagesordnung, wie vermeintlich “kleine Medien” wie Blogs es schaffen jenseits von Skandalismus real Situationen weltweit zu verbessern. Da muss m.E. gerade im www an einem weltweiten Bezug – z.B. hier mit den T-Shirt-Herstellern (Arbeitern) – gearbeitet werden. Das ist doch gerade Chance und Herausforderung: Nicht nur die Auseinandersetzung hier auszutragen, sondern ganz konkret auf die Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern zu schauen.

  10. hans sagt:

    Was ich nicht verstehe ist ich dachte in Deutschland herscht Meinungsfreiheit und warum sind dann die beiden Shirts nicht ausgeliefert worden ???

    Meine Doofe Frage !

    Kann man mit Spreadshirt Millionär werden ??

    Ich sage ja wenn man die coolsten T Shirts generiert und Sie dann an die geilsten Typen und Tussys verkauft. Also derzeit ist ja das Oktoberfest der tolle Renner für Spreadshirt Shirts.

    Viel Spass mit den Shirts und auch auf dem Oktoberfest.

    Gruss Hans.

  11. mark sagt:

    Spreadshirt hat zwar die Shirts von guten Produzenten aber sind die wirklich so gut? Was nutzt es mir ein teures Shirt von Continental zu kaufen und das bio bio siegel drauf zu wissen wenn nach 1 x waschen sich die nähte verziehen um es eigentlich in die Tonne zu kloppen.
    Spreadshirt selber ist durch sein zu schnelles wachstum heute nichtmal in der lage 2 farben flock in einander zu legen. Nee da wird einfach flock auf flock gepresst und dann auch noch behauptet das wäre original.

    Faktum ist Spreadshirt liefert keine gute Ware auch wenn diese ok ist und den preis betrachtet ist es eine Unverschämtheit – es gibt wirlich gute Leute die Flex und Flock drucken können aber man muss wohl eine gewisse Größe haben um sch…. zu produzieren – das gilt für Tchibo wie Gstar, Fruit of the Loom und eine Unmenge an anderen Firmen.

    schade und alle kaufen
    gruß mark

  12. Martin sagt:

    Hat jemand gute Alternativ zu Spreadshirt, wo die T-Shirts fair gehandelt sind?
    Ich bin gern bereit mehr zu zahlen, wenn das T-Shirt dafür nicht unter unfairen Bedingungen produziert wurde.

  13. sarah sagt:

    die debatte ist ja nun schon eine weile her. da ich selbst in der branche arbeite, ist es schon oft vorgekommen, dass sog. aktivisten hauruck aktionen starten wie frau brodde ohne sich eingehend informiert und recherchiert zu haben. hier haette es auch jede andere firma treffen koennen. continental clothing ist ein wirklich seriöser anbieter. geht mal auf die webseite!
    man sollte eigentlich auf große anbieter schauen, die auch vermeintl. eco/sozial produzieren. da gibts ne menge aufzudecken, und frau brodde haette alle haende voll zu tun, denn letzendlich ist es ein business und mit geld kann man vieles erkaufen…

Trackbacks

Finden Sie heraus, was andere zu diesem Artikel gesagt haben
  1. [...] (was man auch an den mitunter kontroversen Diskussionen zu dem Thema in Blogs sehen kann, z.B. vital-genuss, Robert Basic, bissige liberale, bei der Aktivistin Kirsten Brodde [...]

  2. [...] gefällt ist die mitunter kritische, hinterfragende Herangehensweise von Michael Rosenboom. Ein Beispiel [...]



Und was meinen Sie?

Erzählen Sie uns, was Sie über dieses Thema denken...