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Grünes Web – Wo ist die Zielgruppe?

5. November 2007 von Manuel  
Abgelegt unter LOHAS

Das Internet ist grüner geworden – Nischenthemen wie Nachhaltigkeit, Bioboom, LOHAS und einige mehr werden auf vielen Webseiten von engagierten Menschen behandelt. Doch wie ist es eigentlich um die Zielgruppe bestellt? Wer, ausser dem kleinen Kreis der “üblichen Verdächtigen” nutzt das ganze engagiert zusammengetragene Wissen eigentlich? Und schreiben wir alle nicht eigentlich an unserer Zielgruppe vorbei – da diese einfach zu technikfeindlich und nicht internet-affin genug ist?

Ich bin auf dieses Dilemma durch den Geburtstagsartikel von Reto Stauss aufmerksam geworden. Der sympathische Schweizer betreibt sein Nachhaltigkeitsblog nun seit genau einem Jahr. Über diese Zeit zieht er ein Resumee. Neben den positiven Erlebnissen, die er mit seinem Webprojekt erreichen konnte, bemängelt er vor allem die Reichweite seines Blogs. Die Leser, die er eigentlich gerne ansprechen würde, seien eher technik-skeptisch bis -feindlich eingestellt. “Mein Kommunikationsversuch in diese Richtung ist also eher eine Sackgasse“, so Retos Fazit.

Ich möchte an dieser Stelle eine provokante Gegenthese aufstellen: Ist es nicht eher so, dass wir mit unseren Artikeln für die Leser schreiben, die sich bislang mit den Themen noch nicht auseinander gesetzt haben? Was bringt es denn, gerade bei Themen, die ein großes Publikum angehen sollten (Klimawandel, Erschöpfung der Ressource, Gift im Essen etc.), wenn man nur den Menschen Futter für ihre Argumentationskanonen bietet, die eh schon “auf meiner Seite” stehen? Ist es nicht wesentlich sinnvoller, die Leser zu aktivieren, die eben bislang noch kaum einen Gedanken an diese Themen verwendet haben? Ob man mit seinen Artikeln diesen Spagat schafft, merkt das nicht unbedingt an der Vielzahl der Kommentare, sondern eher an den neuen Besuchern, die über die Suchmaschinen auf die Artikel stoßen. Und natürlich hatte Reto Recht, wenn er schreibt: “Blogleser sind Blogschreiber sind Blogleser”. Aber ich stimme ihm nicht zu, wenn er behauptet, dass nur etwa ein Zehntel der Internetbenutzer auch in Blogs liest. Nein, ich denke die Zahl ist wesentlich höher. Allerdings ist für den typischen “User” häufig nicht ersichtlich, ob sein Sucherergebnis nun auf einen Weblog oder eine statische Seite verweist. Es ist ihm eigentlich auch egal, Hauptsache er findet das, wonach er gesucht hat.

Ein wesentlicher Vorteil vom” Schreiben ins Internet” ist die Archivierung der Inhalte. Da Artikel, Beiträge, was auch immer, kontinuierlich geschrieben und veröffentlicht, aber nicht gelöscht werden, schaffen wir uns ein eigenes Wissens-Archiv auf unseren Seiten. Insofern ist die Vorgehensweise ganz wie das Motto von Retos Blog, nämlich “nachhaltig”. Wenn das Thema Perma-Kultur oder irgend ein anderes Thema in der näheren Zukunft plötzlich”tagesaktuell” wird, und die Leute anfangen danach zu suchen, werden sie zwangsläufig auf die Quellen stoßen, die sich mit diesen Themen häufig beschäftigen. Insofern schreiben wir nicht nur für die gegenwärtige (kleine) Zielgruppe, sondern für eine viel größere, noch nicht “aktivierte” Masse.

Das ist meiner Meinung nach auch der größte Vorteil, den das Internet den Nischenthemen wie zum Beispiel “Permakultur” oder “Konsumverweigerung” oder auch “Vorratsdatenspeicherung” bietet. Wir sind mit unseren (privaten) Webseiten in der Lage, eine viel größere Reichweite zu erlangen, als dies mit herkömmlichen Kampagnenmitteln (Flugblätter, Bürgerversammlungen, Unterschriftensammlungen etc.) möglich wäre. Und alles zu viel geringeren Kosten! Gut, diese These ist nicht neu, und sie lässt sich auch prima auf viele andere Bereiche des Netzes anwenden. Für das “Grüne Web” bedeutet es aber, einen langen Atem zu behalten, und auch bei geringem Feedback (Kommentare, Zugriffszahlen) nicht den Mut zu verlieren. Noch vor einiger Zeit konnte kaum jemand was mit dem Begriff LOHAS anfangen, doch mittlerweile ist auch das Interesse des “Mainstreams” geweckt worden. Noch klarer wird dies beim Thema Klimawandel.

Zusammengefasst: 1. Wir schreiben weniger für die “üblichen Verdächtigen” (Kernzielgruppe!), sondern eher für den interessierten Internetnutzer. Schaffen wir es, diese zufälligen Besucher mit unseren Artikeln zu fesseln, für die Themen zu sensibilisieren, und aus ihnen regelmäßige Leser zu machen, dann können wir zufrieden sein. 2. Wir schreiben für die Zukunft, also nachhaltig. Auch wenn unsere Artikel, die uns wichtig sind (und in die wir viel Zeit und Energie gesteckt haben), heute noch keine große Resonanz erzeugen, ist dies kein Grund zur Traurigkeit. Vielleicht schon morgen ist das Thema des Beitrags gefragt und dann kommen auch die Besucher und die Reaktionen dieser als Kommentare oder anderes Feedback. In diesem Sinne: Durchhalten – das Grüne Web hat Zukunft ;-)

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Kommentare

3 Kommentare zu “Grünes Web – Wo ist die Zielgruppe?”
  1. Reto sagt:

    Hey, Manuel, schöne Replik … die wiederum nicht unwidersprochen bleiben kann ;-) .

    > Das Internet ist grüner geworden …

    Bisher vor allem der Inhalt, weniger die Technik.

    > Ich möchte an dieser Stelle eine provokante Gegenthese aufstellen: Ist es nicht eher so, dass wir mit unseren Artikeln für die Leser schreiben, die sich bislang mit den Themen noch nicht auseinander gesetzt haben?

    Wahrscheinlich ist es in der Realität tatsächlich so, dass “wir” (wenn das wir als Gruppe der “Nachhaltigkeitsblogs” verstanden wird) tatsächlich eher Neugierige als Überzeugte ansprechen. Allerdings ist das eigentlich nicht meine persönliche Zielgruppe, muss ich zugeben. Ich wünschte mir, ich könnte eben mehr von der Gruppe <a href=”http://nachhaltigbeobachtet.ch/blog/archive/2007/01/31/lohas-vs-lovos.html”>LOVOS</a> ansprechen, welche mir nahe stehen. Personen, welche aktiv sind und mit denen ich Erfahrungen austauschen könnte. Natürlich schätze ich auch Interessierte, die einfach gerne mitlesen und sich vielleicht durch das eine oder andere inspirieren lassen.

    > Was bringt es denn, gerade bei Themen, die ein großes Publikum angehen sollten (Klimawandel, Erschöpfung der Ressource, Gift im Essen etc.), wenn man nur den Menschen Futter für ihre Argumentationskanonen bietet, die eh schon “auf meiner Seite” stehen?

    Ich habe nicht vor, die Welt zu retten. Und Leute, welche mit dem Thema nichts anfangen können, werden ihre Überzeugung auch nicht durch unsere Blogs ändern.

    > das Grüne Web hat Zukunft

    Ja, ist aber nur eine Randerscheinung des Grünen Lebens ;-) .

  2. Manuel sagt:

    Danke für Deinen Kommentar!

    “Bisher vor allem der Inhalt, weniger die Technik.”

    Ja, aber es gibt mittlerweile auch “greenhosting”, z.B. Ansonsten hast Du recht, ich bezog mich hauptsächlich auf den Inhalt ;-)

    “Ich habe nicht vor, die Welt zu retten. Und Leute, welche mit dem Thema nichts anfangen können, werden ihre Überzeugung auch nicht durch unsere Blogs ändern.”

    Ich bin bestimmt auch kein Missionar ;-) Und sicher sind “Überzeugungstäter” nicht zu bekehren. Ich denke aber, es ist wichtig, gerade denjenigen, die über bislang wenig beachtete Nischen schreiben, Mut zu machen, dass sie nicht in den inhaltsleeren Raum hineinschreiben…

    “Allerdings ist das eigentlich nicht meine persönliche Zielgruppe, muss ich zugeben. Ich wünschte mir, ich könnte eben mehr von der Gruppe LOVOS ansprechen, welche mir nahe stehen.”

    Gut, das wird schwierig. Wahrscheinlich sogar in nächster Zeit auch nicht besser, wenn ich mir z.B. das Scheitern der Bio-Community.de anschaue…

    “Ja, ist aber nur eine Randerscheinung des Grünen Lebens ;-)

    Sicher – aber ich denke, es wird eine recht große Randerscheinung werden. Wenn nicht heute, dann vielleicht morgen oder übermorgen…

    Gruß, Manuel

  3. InaMS sagt:

    Lieber Manuel,
    ich lese gerade diesen interessanten Artikel und möchte folgende Gedanken dazu beitragen:

    “Und schreiben wir alle nicht eigentlich an unserer Zielgruppe vorbei – da diese einfach zu technikfeindlich und nicht internet-affin genug ist?”

    Auch ich erlebe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis eine, meiner Meinung nach, unnötige Internet-Zurückhaltung. Zusammen mit Stefan habe ich daher die http://www.wiki-spielwiese.de in´s virtuelle Leben gerufen. Dort können Internet-Einsteiger, von uns betreut, spielerisch ihre ersten Erfahrungen in einem Wiki machen. Vielleicht gelingt es so, einigen Interessierten, die Teilhabe am Ideen-Austausch mithilfe von Wikis und Blogs etwas näher zu bringen und Hemmschwellen abzubauen. Über eine Verbreitung dieser Idee und Hinweise auf die Wiki-Spielwiese auch jenseits von “Bloggersdorf”, würden wir uns freuen. Natürlich ist die Freude am Größten, wenn Web-Neulinge sich dort zahlreich einfinden. Wir sind gespannt, wie sich dieses noch junge Experiment entwickeln wird.

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