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Klimapäckchen – sinnvoll oder Greenwashing?

28. August 2007 von Manuel  
Abgelegt unter LOHAS

artikel-201Klimaneutral ist ein schöner neuer Begriff, der sich langsam zum Modewort mausert. Seit August gibt es nun das klimaneutrale Päckchen von DHL. Es heißt Pluspäckchen GoGreen und ist in über 12.500 Postfilialen erhältlich. In der Darstellung auf der Website klingt das so: “Das Päckchen ist eine praktische Kombination aus Recycling Verpackung und Porto, das den klimaneutralen Versand innerhalb Deutschlands ermöglicht. DHL berechnet die beim Transport des Pluspäckchens entstehenden CO 2-Emissionen und gleicht diese durch Klimaschutzmaßnahmen aus.” So ein grünes Päckchen ist natürlich eine ideale Marketing-Maßnahme für Online-Versender, die im Bereich LOHAS agieren. Und so verschickt z.B. auch Naturkost.com seit Anfang August nur noch goGreen-Pakete, wie im Weblog bekannt gegeben wurde.

Aber, das Engagement der Post in allen Ehren – wird durch das “klimaneutrale” Päckchen wirklich CO2 eingespart? Jein. Zwar sind Recycling-Verpackungen zu begrüßen, da sie Ressourcen schonen. Aber wirklich sinnvolle Maßnahmen wären, wenn z.B. die LKW-Flotte umgerüstet und “sauberer” gemacht würde. Bei der jetzigen Maßnahme wird lediglich ausgerechnet, wieviel Ausstoß durch den Versand entsteht – und dementsprechend die entstandenen “Kosten” in Klimaschutzprojekte gesteckt. Klar, besser als wenn gar nichts geschieht ;-) So bin ich weiter zwiegespalten, was diesen grünen “Ablasshandel” angeht. Einerseits freue ich mich, dass CO2-Ausstoß endlich als “Gebühr” berechnet wird, und somit vom abstrakten Begriff zum realen Wert wird. Andererseits sehe ich in einer “CO2-Steuer” eine bequeme Lösung, sein Gewissen zu beruhigen, ohne wirkliche Veränderungen vorzunehmen… Schwierig, schwierig!

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Kommentare

4 Kommentare zu “Klimapäckchen – sinnvoll oder Greenwashing?”
  1. Jan sagt:

    Hallo Manuel!

    > Aber wirklich sinnvolle Maßnahmen wären,
    > wenn z.B. die LKW-Flotte umgerüstet und
    > “sauberer” gemacht würde.

    Das ist geplant und sogar schon in Erprobung: Eines der unterstützten Projekte ist ein DHL-eigenes, in welchem der Einsatz alternativer Kraftstoffe getestet wird.

    Derzeit fahren allein in Deutschland 170 mit Erdgas betriebene DHL-Transporter. Bewähren sich diese, soll die “Erdgas-Flotte” sukzessive ausgebaut werden.

    Darüber hinaus fahren testweise sechs LKW mit Pflanzenöl und Diesel (Doppelbetankungssystem; wo Pflanzenöl verfügbar ist, wird dieses getankt. Gerät der LKW außer Reichweite des Pflanzenöltanks, wird automatisch auf mitgeführtes “normales” Diesel aus dem zweiten Tank umgestellt).

    > Andererseits sehe ich in einer “CO2-Steuer”
    > eine bequeme Lösung, sein Gewissen zu
    > beruhigen, ohne wirkliche Veränderungen
    > vorzunehmen…

    Jedenfalls ist “GoGreen” schonmal ein Schritt in die richtige Richtung – eine Richtung, in die Großkonzerne noch vor wenigen Jahren nichtmal gedacht haben.

    Es liegt in der Natur der Sache, dass der Transport von Gütern Ressourcen aufbraucht bzw. diese sogar in umweltschädliche Stoffe umwandelt. Bisher wurde das (jahrhundertelang) tatenlos hingenommen, insofern begrüße ich die in Relation zum Transportwesen sehr junge Entwicklung der “CO2-Neutralität” doch sehr.

    > Es heißt Pluspäckchen GoGreen

    “GoGreen” ist eine separat buchbare Zusatzleistung, die sich mit verschiedenen DHL-Produkten kombinieren lässt. Also nicht nur mit Päckchen, wie im Artikel beschrieben, sondern -wie z.B. bei uns- auch mit dem DHL BusinessPaket.

    (Das Päckchen ist ein reines Schalter-Produkt, auf 2 kg Bruttogewicht und 60×30x15 cm begrenzt, nicht nachverfolgbar und nicht versichert. Das Paket dagegen ist stets bis zu einem bestimmten Betrag versichert und seine Zustellung wird dokumentiert.)

    Viele Grüße
    Jan

  2. Manuel sagt:

    Hallo Jan,

    vielen Dank für die Zusatz-Informationen!

    Wie gesagt – ich finde die Idee sehr gut – und gerade für Unternehmen wie E-Commerce im Bio-Bereich absolut logisch. Mich nervt aber etwas der derzeitige “Klima-Ablass”, der überall draufgepappt wird. So gibt es ja auch schon klimaneutrale Flugreisen, und die Schweizer führen dies gerade für Ihre Kampfjets(!) ein: http://www.migflug.ch/index.php?id=environment. Wenn ich sowas lese, kommt mir halt der Gedanke an das grüne “Feigenblatt” in den Sinn…

  3. Jan sagt:

    Hallo Manuel!

    > Mich nervt aber etwas der derzeitige
    > “Klima-Ablass”, der überall draufgepappt
    > wird

    Ja, da sind wir uns einig! Auch ich sehe den Rummel, der darum betrieben wird, sehr kritisch. Das liegt aber an den (Massen-)Medien, die dieses Thema pushen – angesichts des jährlich wiederkehrenden Sommerlochs braucht man halt regelmäßig etwas, mit dem man dieses stopfen kann. :-)

    Überhaupt muss man sich vor Augen halten, dass lediglich 3% des Kohlendioxidausstoßes überhaupt vom Menschen verursacht werden. Man kann also lediglich daran arbeiten, diese 3% des gesamten Ausstoßes zu verringern. Die restlichen 97% sind natürlichen Ursprungs und finden so oder so statt. Ob der Mensch das will oder nicht. :-)

    Dies verdeutlicht, dass die Intensität, mit der die öffentlichen Debatte geführt wird, -wie Du vollkommen korrekt angemerkt hast- in der Tat übertrieben ist (und auch mich nervt – wie so viele Themen, die regelmäßig das Sommerloch stopfen).

    Sofern für uns bezahlbar und sinnvoll -beides ist “GoGreen” in meinen Augen-, tun wir jedoch gerne alles, um besagte 3% des Gesamtausstoßes im Rahmen unserer Möglichkeiten zu verringern.

    > und die Schweizer führen dies gerade für
    > Ihre Kampfjets(!) ein

    Ne, das sind nicht die (staatlichen, militärischen) Jets der Schweizerischen Luftwaffe, sondern private Flüge in Jets, organisiert von einer darauf spezialisierten Event-Agentur.

    Das ist jedenfalls grotesk, ja – ich sehe auch das genau wie Du. Ich unterscheide da zwischen Dingen, die sein müssen und solchen, die nicht sein müssen.

    In letzterem Fall (z.B. private Flüge in Kampfjets) wäre die beste und effektivste Klimaschutzmaßnahme, diese Flüge einfach zu unterlassen.

    In erstgenanntem Fall -und damit meine ich Dinge, die SEIN MÜSSEN, denn irgendwie müssen Waren transportiert werden, sei es direkt zur Haustür des Kunden oder ins Supermarktregal- kann man dies nicht unterlassen. Hier sollte man dann zusehen, dass man dies so umweltschonend wie möglich macht. Im Wissen, die zugrundeliegende Handlung halt nicht ganz unterlassen zu KÖNNEN.

    Genau darauf zielt der CO2-neutrale Versand, z.B. das DHL-Produkt “GoGreen”, ab.

    Viele Grüße und einen schönen Abend
    Jan

  4. Jetzt wollte ich eigentlich einen eigenen Eintrag in meinem Blog schreiben, aber wenn hier die Diskussion schon so schön im Gange ist, häng’ ich mich halt hintendran. 8-)

    Wobei ich Jan im Prinzip zustimme. Ich würde auch gerne meine Bücher GoGreen verschicken, aber dafür gibt es das leider nicht. Ich hatte auch schonmal irgendwo eine Studie gelesen, ab wieviel Einkaufsweg eine Bestellung und Lieferung in Haus günstiger (CO2-technisch gesehen) ist, als wenn man selber losfahren würde. Das sind eigentlich nur Strecken, die man besser sowieso nicht mit dem Auto fährt. Also ist Bestellen an und für sich schon recht gut. Wobei es sich für mich nicht unbedingt so anfühlt. Da machen es die GoGreen-Pakete natürlich besser.

    Und ich begrüße es sehr, dass es solche Angebote überhaupt gibt. Umso mehr das Thema in der Öffentlichkeit ankommt, umso leichter haben es “Spinner” wie ich, die dann nicht mehr ganz so exotisch sind. 8-)

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