Und nach der KRISE?
Seit einiger Zeit frage ich mich ganz bewusst, wie gehe ich mit der Erkenntnis um, dass wir am Anfang des 21ten Jahrhunderts mit zwei enorm großen Problemen zu kämpfen haben, die im diametralen Gegensatz zum Credo unserer Zeit stehen: WACHSTUM. Und so ertappte ich mich neulich beim Durchblätten des Manufactum-Katalogs, dass ich kurz überlegte, ob die Anschaffung eines Wasseraufbereitungsgerätes nicht doch eine langfristig sinnvolle Investition ist. Dieses komische Gefühl in der Magengegend, wenn ich mir Filme wie A crude Awakening ansehe, oder wenn ich Nachrichten wie diese lese. Droht uns ein Horror-Szenario, das Ende des Öls – oder macht uns der Klimawandel den Garaus? Vielleicht kommt auch beides zusammen. Doch wie gehe ich am besten mit dem Wissen darüber um – wie bereite ich mich auf einen drohenden Zusammenbruch der Zivilisation vor, sollte es tatsächlich so weit kommen?

Und wie so häufig, wenn ich über eine Sache Gedanken mache und mich zu diesem Thema im Internet “weiterbilden” möchte, stelle ich fest: Ich bin nicht allein. Mein “mulmiges Gefühl” haben viele da draußen. Und auch meine Pläne (Blockhütte in den Bergen, Selbstversorgung erlernen, sich unabhängig vom Stromnetz und der zentralen Wasserversorgung zu machen) sind gar nicht so individuell, wie ich dachte. Survivalists heißt die Gruppe derer, die sich ebenfalls auf ein drohendes Ende der Erdölversorgung vorbereiten. Und auch Webseiten hat diese noch kleine Zielgruppe schon, z.B. das Survivalblog oder Readinglitho
Also gibt es auch andere Menschen, die ähnliche Ängste haben. Das ist einerseits gut, sorgt andererseits für Probleme. Wenn alle “aussteigen” wollen – woher nehmen wir dann denn Platz? Da sind neue Verteilungskämpfe doch vorprogrammiert. Das blöde an all den Horrorszenarien, welche ich im heimischen Liegestuhl in der wärmenden Maisonne schmiede – sollten sie tatsächlich eintreffen, dann wird es aber dermaßen ungemütlich, dass an ein “selbständiges Leben im Wald” wohl nicht mehr zu denken wäre. Oder, sollte ich tatsächlich eine Blockhütte in den Bergen im Wald ergattern, wäre ich sicher damit beschäftigt, diese gegen die Horden anderer Menschen, die auch meinen, “Leben wir halt autark im Wald” wäre eine gute Idee, zu verteidigen.
Vielleicht sollte ich mich mit einer milderen Form des Überlebenskampfes begnügen. Im Guardian berichtet die Journalistin Harriet Green, wie das gehen kann: Mit dem Anlegen von Nahrungsmittelvorräten, dem Anbau von Gemüse und Obst im eigenen Garten, wie es auch der bekannte britische Koch Jamie Oliver empfiehlt und der Energie- und Wasserselbstversorgung durch Solarenenergie- und Regenwasseranlagen. Es wird Zeit, das Leben nach Peak Oil weniger als “survival of the fittest” zu begreifen, als vielmehr “survival through transition” zu betreiben. Zu dem Ergebnis kommt auch Frau Green im Guardian:
“We have little chance of fighting off the hungry masses when they tear lettuces from our window boxes and scale the fence of our allotment. And the truth is that probably few places in Britain are much safer – not even in the most remote parts of the countryside. Which is why we have put our hopes in a saner band of survivalists, who believe the answer is to work together.[...] The key to effecting a smooth transition is rebuilding resilience and self-sufficiency at every scale – from the household to the wider community – all at once.”

Ich bin der Meinung, die einzige Art sich vorzubereiten ist Wissen. Wer im Ernstfall weiß, wie er Obst und Gemüse anbauen kann oder sich eine Hütte basteln kann, der ist klar im Vorteil.
Alles andere bringt nicht viel. Ich stelle mir da immer den einzigen Sebstversorgerhof in einem Landkreis voller verhungernder Menschen vor…. Da sollte man sicherheitshalber noch ein paar Kalaschnikows einplanen.
Gerhard Zirkel
Ja, Wissen und Platz, um das Wissen umzusetzen. Denn was bringt es mir, wenn ich weiss, wie ich selbst anbauen kann, und es vielleicht auch tue… aber eben die hungrigen Nachbarn nicht? Dann greift dein zweites Szenario
Was übrigens gar nicht so abwägig ist. Wie bei Bloomberg.com über ein “Survivalbuch” von Barton Bigs geschrieben wird:
“advice for the rich: Insure yourself against war and disaster by buying a remote farm or ranch and stocking it with “seed, fertilizer, canned food, wine, medicine, clothes, etc.”
The “etc.” must mean guns. “
Nicht allein Wissen, auch der eigene Körper ist wichtig. Ein wenig Fitness, um dann das Wissen umzusetzen schadet nicht.