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Warum scheiterte Ivyworld.de?

29. Juli 2008 von Manuel  
Abgelegt unter LOHAS

Wie schon berichtet, ist Burdas LOHAS-Projekt “Ivyworld” beendet worden. Laut Aussage der Redaktion ohne große Vorankündigungen. “Sie haben uns die Seite einfach abgestellt, während wir den Beschluss verkündet bekommen haben“, berichtet ein Insider. Nachdem sich die erste Aufregung etwas gelegt hat, wird es Zeit für eine Analyse. Warum scheiterte das ambitionierte Projekt?

Burkhardt Schneider vom Best-Practice-Blog fragte sich (zurecht), warum die Website Ivyworld.de so hastig abgeschaltet wurde und wundert sich, dass die Community nicht in den Prozess eingebunden war. Die Antwort dürfte so profan wie eklig zugleich sein. Der Verlag (nicht die Ivy-Redaktion) kümmert sich einen Dreck um eine wie auch immer geartete Community. Dazu kommt: Es gab nie eine richtige IVY-Gemeinschaft, dazu konnte die Seite einfach nicht genügend Interessenten aus dem Bereich “grüner Konsum” mobilisieren.

  • Die Webseite Ivyworld wurde recht hastig ins Netz gestellt, um vor dem Konkurrenten Utopia.de dort zu sein. Da wurde auch in Kauf genommen, dass die Webseite eigentlich wochenlang nur ein Platzhalter war. Ruppig ging man auch schon früher mit dem User-generated-Content im “Platzhalter-Blog” um – das wurde nämlich nach dem offiziellen Start der Webseite einfach gelöscht.
  • Ivyworld hat es nie geschafft, eine große Community aufzubauen. Dazu begann man einfach zu spät mit dem Anwerben der Nutzer. Am 24. Juli 2008 wurde das 780te Mitglied “ninala” begrüßt. Im Vergleich: Utopia.de hat am Montag früh (28.07) mit “BenniP” den 18876ten Utopisten aufgenommen. Es scheint sich das Ebay-Amazon-Phänomen zu bestätigen: Das Netz bevorzugt die Monopol-Bildung.
  • Während Utopia.de verschiedene Aktionen lanciert hat, mit denen Aufmerksamkeit auch außerhalb der Plattform geschaffen werden konnte (Ökostrom-Wechsel, Chat mit dem Umweltminister etc.), gab es so etwas nicht auf Ivyworld.de.
  • Was die Darstellungsformen betrifft, war Ivyworld besser aufgestellt als Utopia – so gab es tägliche Video-News (in Anlehnung an Ehrensenf) aus dem Bereich Öko und Klimaschutz sowie ein Video-Log der Chefredakteure “Alex und Michalis”, wo grüne Produkte vorgestellt wurden. Verschiedene Blogs waren ebenfalls vorhanden – 3 an der Zahl. Jedoch konnte mit diesen nie eine große Verlinkung erreicht werden. Technorati spuckt keine Zahlen aus, die manuelle Abfrage ergibt ebenfalls nur wenige Ergebnisse. Bei Utopias eigenem Blog sieht es allerdings nicht besser aus – dazu kommt, dass es noch nicht wirklich “öffentlich” gemacht wurde.
  • Was für eine Einschätzung kann man machen, guckt man sich die Aufstellung in den Suchmaschinen an? Utopia.de hatte nach dem letzten PR-Update einen Pagerank von 6, Ivyworld bekam einen PR5. Was Backlinks angeht, hat Utopia.de klar die Nase vorn. 847 zu 458.

    backlink-vergleich

  • Zugriffszahlen von Webseiten sind immer eine heikle Angelegenheit. Entweder werden keine Daten herausgegeben oder aber es existieren “Mondschein-Zugriffe”. Da werden gerne mal Visitors und Visits durcheinander geworfen usw. Eine weitere kleine Annäherung kann uns das neue Tool “Google-Trends” geben. Im Vergleich: Ivyworld, Utopia und der selbsternannte Einkaufsberater Eco-World:

    traffic-vergleich
    Sollten diese Zahlen korrekt sein, so ist der Sieger ganz klar. Schaut man sich die “Peaks” von Ivyworld an, so stimmt das mit den Veröffentlichungen der Ivy-Hefte (Dezember / April-Mai) überein. Wie hoch genau die Zugriffe auf die Seite waren, kann natürlich nur der Webmaster sagen (Die interne Messung von tomorrow-focus findet man hier, ist aber mit Vorsicht zu genießen). Aber das Ergebnis ist auch hier eindeutig – die Community Utopia.de hat die meisten Besucher auf ihre Website.

Fazit: Im Rennen um die Gunst der noch recht überschaubaren Zielgruppe des “nachhaltigen Konsums” war Ivyworld dem Konkurrenten Utopia eindeutig unterlegen. Das mag externe Gründe gehabt haben (Utopia war früher da, bot mehr Interaktionsmöglichkeiten), aber eben auch interne Gründe. Die angekündigte “enge Verzahnung von Webseite und Magazin” war interessant, aber so etwas scheint ein Widerspruch in sich zu sein. Weiterführende Links im Heft abzudrucken ist keine Neuheit gewesen – lediglich die Rubrik “Logbuch” im Ivy-Testheft zeigte etwas von dieser Verknüpfung. Dort wurden Leserkommentare von der Webseite abgedruckt und eine kleine Auswahl von anderen LOHAS-Blogs präsentiert. Das ist natürlich zuwenig, um wirklich von neuen Ansätzen zu sprechen. Und so stand, zumindest von außen betrachtet, das Team um den Efeu (Ivy) zwischen den Fronten, einerseits so etwas wie eine Lifestyle-Community im Netz aufzubauen und mit Web2.0 zu kokettieren, andererseits war die Verlags-Richtlinie wohl eher auf die klassische Zeitschriften-Promotion ausgerichtet – was sich nicht nur in den zum Schluß etwas hilflosen Aufrufen “Kaufen Sie dieses Heft” im Alex&Michalis-Videolog niederschlug.

Utopia.de hat es jetzt in der Hand, das LOHAS-Web weiter anzuführen. Ob sie sich aber tatsächlich auf das Wagnis einer eigenen Öko-Zeitschrift einlassen werden (siehe das Gerücht um die Zusammenarbeit mit Gruner und Jahr), bleibt fraglich. Noch im März diesen Jahres dementierte Utopia-Projektleiter Daniel Überall das Gerücht mit den Worten: “Wir glauben [...] nicht, dass das Anliegen unserer Community in einem konventionellen Printtitel gut aufgehoben ist .” Warten wir einfach ab, ob und in welcher Form es jemals ein LOHAS-Magazin geben wird.

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Kommentare

8 Kommentare zu “Warum scheiterte Ivyworld.de?”
  1. Micha sagt:

    Fundierte Analyse. Setzt allerdings voraus, dass auch Ivyworld sich selbst in diesen Benchmark mit Utopia begeben wollte.
    Ich hätte da noch eine Begründung fürs Scheitern: Der Geldgeber (Burda) hat einfach kein Geld mehr dafür ausgeben wollen. Das klingt vielleicht zu trivial, aber wenn auf der einen Seite die Redaktionen etablierter Blätter geschrumpft werden, ist es intern schwer vermittelbar, Versuchsballons aufsteigen zu lassen.
    Konzeptuell gab es bei den beiden Inkarnationen von Ivy sicher einiges zu bekritteln, aber nichts was sich nicht hätte entwickeln können. Gerade in der Nische muss man halt auch flexibel sein, die Macher und auch die Bezahler.

  2. Habe gerade über Burkhard Schneiders`s Blog Ihre sehr gute Analyse zu dem Aus von Ivyworld entdeckt. Hervorragend durchleuchtet mit wertvollen Hintergrundinfos. Mich hat es erstaunt, dass Ivyworld so schnell eingestellt wurde. Allerdings muss ich gestehen, dass mich die Beiträge nicht sonderlich angesprochen haben. Danke jedenfalls, mir ist jetzt vieles klarer.

  3. Gabriel sagt:

    Vielleicht war ja das Heft auch einfach nicht gut genug? Ich hatte die erste Ausgabe gelesen und die hat sich selbst als Klolektüre nicht gegen die Konkurrenzmagazine durchsetzen können. Die Inhalte waren für meinen Geschmack super oberflächlich und knapp, ein Sammelsurium von Botschaften, Meinungen und Meldungen, so ein bißchen die NEON für eine unscharfe Zielgruppe namens LOHAS. Ich hätte mir längere, gut recherchierte Artikel gewünscht, mehr Ruhe und Aufgeräumtheit, einen Mehrwert gegenüber dem Verfolgen der einschlägigen Blogs und (Print-)medien. Den konnte ich für mich nicht entdecken, meinen Freunden, die das Heft bei mir gesehen/gelesen haben gings genauso und damit war das Thema für mich erledigt…
    Ja, sicher, ein Magazin wie ich mir’s für LOHAS wünschen würde, erfordert einen langen Atem. Bis den jemand beweist tröstet sich die Zielgruppe, je nachdem in welche Richtung sie tendiert, mit Landlust, De-Bug und Schrot&Korn… ;)

  4. Silvia sagt:

    @Gabriel: das sehe ich änlich wie Du. Die Artikel von Ivyworld hätten oft einfach länger sein können. Ein gutes Beispiel war der Artiel über das Antarktis projekt von DJ Spooky. Der war einfach zu kurz, um zu fesseln. Ich hätte gerne mehr über den Mensch erfahren. ein schönes Interview mit dem Künstler habe ich dann bei KlimaLeben gelesen…

  5. Eine aus meiner Sicht eine angenehm umfangreiche und fundierte Analyse. Ich sehe vieles ebenso. Hier noch mein Kommentar vom www.best-practice-business.de/blog

    “”"
    Ich denke ein Konzern wie der Burda Verlag es ist, tut sich sehr schwer, ein Produkt wie IvyWorld zu leben und zu führen, weil gerade solch ein Produkt in jedemfall die Überzeugung aller beteiligten benötigt, sonst ist es nachhaltiger Weise fehl am Platz. (Ich denke diese Überzeugung war wohl nur bei Michaelis und seinem Kollegen da, nicht aber im Management)
    Da die LOHAS-Materie eine sehr ganzheitliche ist (es geht nicht nur darum, über nachhaltigen Lifestyle zu schreiben, um damit Geld zu verdienen, sondern auch vom Management im Unternehmen entsprechend zu agieren), tun sich da große eingefahrene Medien-Unternehmen sicher schwer (Bin gespannt was da von G&J kommt).
    Ich denke ein LOHAS-Medien-Produkt benötig betreffend der wirtschaftlichen Entwicklung ein organische Wachstum – ein bottom-up Prozess, wie auch die LOHAS-Bewegung ein solcher ist. Eine gute Paralelle lässt sich aufzeigen wenn wir auf die LOHAS-nahe Bewegung “Slow Food” schauen – es bedarf (der Fähigkeit) einer “Slow Economy”.

    Der Grund für das schnelle offline-nehmen der Webplattform Ivyworld.de könnte damit zu tun haben, das im Burda-Verlag selbst paralell an einem von IvyWorld unabhängigen Lohas-Produkt gearbeitet wird, und somit bestehendes eher im Weg steht.
    “”"

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  1. [...] Das vitalgenuss-Blog analysiert, warum ivy-world.de gescheitert ist. Absolut lesenswert. Quintessenz: Wen der Community-Betreiber [...]

  2. <p>[...] bleibt da wenig Platz – und auch nicht für Nachhaltigkeit! Das vitalGenuss-Blog hat deshalb völlig recht, wenn er man im Absatz 2 sagt: „Der Verlag (nicht die [...]</p>

  3. [...] nun hin und wieder bei Vital-Genuss vorbeischauen. Seine Kolumne hat dort ein Archiv bekommen, da IvyWorld ja das Zeitliche gesegnet hat. Gibs weiter! Dieser Artikel wurde am 04.August 2008 von Sjörn Plitzko [...]



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