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17. May 2012 | Nachrichten Feed

Amnesty verkauft Frauen auf eBay

25. Juni 2008 von Manuel  
Abgelegt unter News

Seit Dienstag früh wird die Handelsplattform eBay.ch für eine Viral-Aktion gegen Frauenhandel “mißbraucht”. Wer sich auf die Suche nach teuren Luxusartikel wie Autos, Teppichen oder High-Tech macht, stolpert über Anzeigen wie diese: Mercedes, Modell 1986 – Luxus pur! Und er sieht ein Foto einer Frau, statt eines Autos. Eine delikate Sache, möchte man meinen. Wer steckt hinter der Sache? Es ist Amnesty International (Sektion Schweiz) die auf eBay Frauen “verkaufen”.

Frauen kaufen auf eBay

Mehr als 200 Mitglieder der Menschenrechtsorganisation haben nach Angaben von persoenlich.com solche Verkaufsanzeigen online aufgeschaltet. Jedes Angebot wurde individuell gestaltet – die Kampagnenverantwortlichen wollen es dem Plattformbetreiber auf diese Weise erschweren, die Anzeigen umgehend wieder zu entfernen. Hier der Link zur noch gültigen Auktion (Stand 24.06.) –> Mercedes für 2500 SFr. Auch in französischer Sprache bietet man Frauen an, z.B. die Nikon für 2000 SFr. Und wer nach Briefmarken sucht, stolpert über eine Polonia für 300 SFr. Die Vorgehensweise ist recht clever. So gibt es keine Vorschaubilder in der Galerie, die Auktionen sind nicht alle von einem eBayer eingestellt worden und der “Auflösungstext” von Amnesty ist als externes Bild eingebunden. Somit ist erstens gewährleistet, dass eBay Schweiz (die vorab nicht informiert wurden) die Auktionen nicht alle auf einmal löschen kann und zweitens dass Surfer wohl eher nur zufällig über die “Angebote” stolpern werden. Im unteren Teil der Anzeige löst Amnesty International dann die Kampagne mit besagten Bilder-Texten auf:

ebay-amnesty-screen2

Die Idee zur Aktion auf eBay stammt von der Agentur walker. Mit dem jüngsten Streich knüpft die Agentur an die bisherigen Massnahmen der Kampagne “Euro 08 gegen Frauenhandel” an. So wurden bereits EM Plakate mit gefesselten Frauenbeinen und TV-Spots in den Stadien und Public Viewing-Zonen gezeigt. Doch warum nun diese Guerilla-Aktion auf der Auktionsplattform? “Wir sind gezwungen, mit der Kampagne ständig neue Zielgruppen zu erschliessen. Auf eBay können wir rasch viele Menschen erreichen“, erklärt Pius Walker auf Anfrage von persoenlich.com. Probleme sieht der Agenturchef übrigens nicht für den Handelsriesen entstehen. “eBay wird durch unsere Aktion nicht geschädigt. Im Gegenteil: Wir bezahlen wie alle anderen User auch die Insertionsgebühren.” So richtig einzuschlagen scheinen die Anzeigen aber bislang nicht. Im oben genannten Angebot stand der Zähler gerade mal auf 20. Auch bei anderen Auktionen sind die Zugriffszahlen noch sehr gering. Interessant wird auch sein, ob und wie sich eBay zu der viralen Aktion äußern wird. Bislang ist die einzige “Antwort” von eBay, dass sie die gefundenen Artikel sofort löscht. Wahrscheinlich werden die Beispiele oben auch nicht mehr lange aktiv sein.

Pikanter Hintergrund: Auf eBay (US) wurden 2004 tatsächlich Frauen angeboten, behauptete damals die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (Link).

——————————————————–

Update 25.06.08 12.00 Uhr: Alle oben verlinkten Angebote wurden von eBay gelöscht. Auf der Aktionsseite von Amnesty Schweiz kann man sich aber noch ein paar Auktionen als Voll-Screenshot anschauen.

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Kommentare

11 Kommentare zu “Amnesty verkauft Frauen auf eBay”
  1. Inzwischen sind die Artikel auch wirklich gelöscht. Die geringen Zugriffszahlen können durch “Angst”, ertappt zu werden, begründet sein. Immerhin hat man sich dann im Internet für den Frauenhandel interessiert und auch gleich Angebote eingeholt… Oder nicht? Vorratsdatenspeicherung lässt grüßen.

    Und ich auch: Gruß,
    matt

  2. Ebay wird sich freuen.. die bekommen so ganz nebenbei auch noch was von der Publicity ab

  3. Markus sagt:

    Gibt es schon eine Reaktion von Amnesty? Haben sich sicherlich ein größeres Presseecho erwartet…

  4. Manuel sagt:

    @ Markus: Ich habe bereits angefragt. Wenn ich etwas erfahre, werde ich den Artikel aktualisieren.
    Im Schweizer Blätterwald hat die Aktion aber schon recht gut eingeschlagen (20min berichtete, etc.)

  5. Gast sagt:

    Wirklich etwas geschmacklos.
    Schade das im Internet nicht mehr berichtet
    wird (werden kann). Viele fürchten dann das sie selber dran glauben müssen. Diese Befürchtung ist leider nicht unbegründet.

    [Kein Suma-Spam bitte. Name geändert, URL gelöscht]

  6. Kristian sagt:

    Es ist immer wieder erstaunlich, auf was für Ideen Amnesty International kommt. Doch diese finde ich wie der Kommentator über mir etwas geschmacklos. Und meiner Meinung nach nicht wirklich hilfreich. Ich weiß, dass es weltweiten Menschenhandel gibt. Aber wenn ich über Ebay sowas mitbekomme, dann wird mir sowas wieder ins Bewusstsein gerufen, aber helfen kann ich in dieser Hinsicht leider nicht.

  7. evelyne sagt:

    hallo, der zähler im inserat stand auf 20 weil mein erstes inserat kurz vorher weg war :-) .

    bin jetzt zwar auf ebay vorübergehend inexistent geworden, aber es hat sich bestimmt gelohnt, schon nur weil das thema hier im blog diskutiert wird. gerne könnt ihr eine petition gegen menschenhandel unterschreiben (auf der webseite von amnesty schweiz), und/oder mitglied werden :-) .

  8. MeikeH sagt:

    tja, wenn keine hilfsmöglichkeiten drin stehen oder möglichkeiten sich irgendwie zu engagieren, hinterlassen solche aktionen- die zwar gut gemeint sind und natürlich aufmerksamkeit erzeugen- außer viel resonanz, einen fahlen beigeschmack von hilfslosigkeit und “stehen gelassen werden”. nun ist die problematik zwar wieder in den köpfen, aber das war’s auch schon…oder habe ich etwas übersehen? wie kann man sich als “otto-normal-verbraucher” denn sonst engagieren?

  9. Manuel sagt:

    @ MeikeH: In den Auktionen stand unten der Text:
    “Eine Frau zu kaufen ist einfach. Etwas dagegen zu tun auch. Unterschreiben Sie auf www.amnesty.ch” Also die “Hilfsmöglichkeit” war da. Ansonsten ist so eine Aktion in erster Linie Aufmerksamkeitsfördernd. Und eben im Zusammenhang mit den anderen Teil-Aktion der “Euro 08 gegen Frauenhandel” zu sehen.

    @ Evelyn: Danke für Deinen Kommentar. Leider habe ich trotz wiederholter Anfrage bislang noch keine Auskunft eurer Pressestelle zu der Aktion bekommen. Vielleicht kannst Du ja ein wenig erzählen, wie es ausging?
    - Wie hoch waren die die bestbesuchtesten Auktionen? Und hat – deines Wissens nach – tatsächlich jemand mal geboten?
    - Du schreibst, Du wurdest von eBay gesperrt. Ging das den anderen auch so? Gab es sonst eine Reaktion des Auktionshauses?

    Grüße, Manuel

  10. Gast sagt:

    Ich finde es klasse, dass es immer wieder solche Stichproben gibt. Auch das Amnesty International, bzw. deren Mitglieder so etwas durchziehen!!

    Sehr sehr gut!!

    [Anm. d. Red. Und wir finden es nicht so klasse, wenn hier das "Namensfeld" für Suchmaschinenoptimierung genutzt wird. Darum Keyword gelöscht.]

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