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Der Kühlschrank als Lebensmittelpunkt

14. August 2006 von Manuel  
Abgelegt unter Gesundheit

In der TAZ vom letzten Donnerstag gab es ein interessantes Interview mit Jean-Claude Kaufmann, einem französischen Soziologen. Der beschäftigt sich in seinem neusten Buch “Kochende Leidenschaft. Soziologie vom Kochen und Essen” mit… ja, genau dem Essen. Das ja bekanntlich nicht nur satt macht, sondern auch wichtige soziale Rolle in unserem Leben spielt. Auch noch heute spielt sich das Familienleben häufig zwischen Kühlschrank, Herd und Esstisch ab. Und so ist es sehr spannend, von Herrn Kaufmann zu erfahren, was das Kochen mit uns macht, und wo unser Essen als “Familienretter” in Gefahr ist. Kaufmanns Untersuchung gründet sich auf empirische Beobachtungen. Er analysiert Verhalten, Gespräche und Rituale bei Tisch und begleitet die Esser in verschiedenen Lebensphasen und -situationen. Wann wird gekocht? Was wird gekocht und wer ist der Chef in der Küche?

In Kaufmanns Untersuchung wird der moderne Esser als ein armer Kerl ausgemacht. Im TAZ-Interview erklärt der Autor dies so: “Man ist freier, als man es sich wünscht. In früheren Gesellschaften strukturierten wiederkehrende Mahlzeiten die Nahrungsaufnahme [...] Die Produkte waren rar. Man arbeitete hart und hatte sich schweres Essen verdient. Heute ist das völlig anders. Den armen Esser, der durch die Straßen spaziert, locken kleine Leckereien, perfekte Sandwiches, wunderbare Düfte. Verlangen steigt in ihm auf. Gleichzeitig hat er genau verstanden, was er nicht darf: nicht zu viel essen, nicht zu fett, nicht zu süß.” Diesen Zwiespalt kennt wahrscheinlich jeder, der nicht mit einem “Turboverbrenner” im Verdauungstrakt gesegnet ist. Was gut schmeckt, landet früher oder später auf den Hüften ;-)

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Ein viel größeres Problem sieht der französische Soziologe aber in den Fertigprodukten, dem sog. Convenience-Food. Fertiggerichte seien eine Folge der Individualisierung, in der jeder seinen eigenen Rhythmus leben möchte. Aber Kaufmann spitzt noch mehr zu: “Vor allem aber [sind] sie Folge der Emanzipation: Frauen wollen nicht ewig an den Töpfen stehen. Darum bildet nicht mehr der Herd, sondern der Kühlschrank das Zentrum der Küche. Individualisten haben hier freie Hand: Sie picken sich dies und das aus dem Kühlschrank, knabbern es allein vor dem Fernseher oder auf dem Balkon und entgehen so dem Kollektivzwang der Familienmahlzeit.” Die Schattenseite der freien, schnellen Küche: Vereinsamung und ein Verschwinden des gemeinsamen Essens, was früher oder später zu Konflikten führen kann.

Wer mehr über diese spannenden soziologischen Beobachtungen erfahren will, der sollte sich das oben bereits genannte Buch “Kochende Leidenschaft” im Buchladen besorgen. Es erscheint im September 2006, hat 372 Seiten und kostet 19,90 Euro. Wer nicht (nur) lesen, sondern auch etwas tun möchte, was über “Pizza-in-den-Ofen-Schieben” hinausgeht, dem sei z.B. dieser Online-Kurs empfohlen. Dort kann man sich sogar auf Kochpartner-Suche begeben ;-) Sie sind eher der Kalorienzähler und wollen trotzdem abwechslungsreich essen? Versuchen Sie es doch mal beim Nestlé Ernährungsstudio – am besten die Rubriken “Gesund und schnell” und “Länderküche” nach neuen Anregungen durchstöbern. Und wer sich dem Fastfood-Trend bewußt entgegensetzen möchte, der kann Mitglied bei Slowfood e.V. werden – bei der weltweiten Vereinigung von bewussten Genießern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten.

(via Konsumblog) Bildnachweis: UVK Verlagsgesellschaft mbH

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